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Stellungnahme zur Zeitarbeit und zum Tarifausstieg.

Die Globus SB-Warenhaus-Gruppe, St. Wendel, wird bundesweit aus dem Tarifvertrag für den Einzelhandel aussteigen. Mit diesem Schritt schafft Globus die rechtlichen Voraussetzungen, um künftig Globus-spezifische Entgeltstrukturen entwickeln zu können. Damit einher gehen auch Überlegungen zur Auflösung der Globus Personalservice Gesellschaft (GPSG) und zur Eingliederung der GPSG-Mitarbeiter direkt bei Globus. Die Entscheidung, einen eigenen Weg einzuschlagen, basiert auf drei Gründen.

Hauptgrund für den Ausstieg ist, dass die im Kern mehr als 70 Jahre alten Tarifverträge für den Einzelhandel die heutigen Realitäten nicht widerspiegeln. Sie nehmen beispielsweise noch immer eine Trennung zwischen Angestellten und Arbeitern vor, obgleich diese sowohl vom Gesetzgeber als auch von den meisten anderen Tarifparteien inzwischen aufgehoben wurde. Unter anderem erschwert dieser Umstand in den Betrieben eine faire tarifliche Eingruppierung moderner Tätigkeitsbilder und eine ausgewogene tarifliche Vergütung.

Darüber hinaus bilden die Tarifverträge des Einzelhandels ein Globus-Alleinstellungsmerkmal nicht ab: Um den Globus-Kunden qualitativ hochwertige und frische Produkte im Bereich Fleisch- und Backwaren anbieten zu können, sind in den SB-Warenhäusern eigene Produktionsstätten für die Metzgerei sowie für die Bäckerei und die Gastronomie angesiedelt. Im Gegensatz hierzu erfolgt bei den meisten Wettbewerbern die Belieferung mit diesen Waren durch zentrale Produktionsunternehmen, bei denen aufgrund der Anwendung z.B. entsprechender Handwerks- und Innungstarifverträge oder der Fremdvergabe an Unternehmen mittels Werkverträge das Gehaltsniveau niedriger liegt als im Einzelhandel. Dies stellt eine Benachteiligung für Globus im Wettbewerb dar. Gerade in diesem Bereich begründet und sichert Globus aber zahlreiche Arbeitsplätze.

Ziel von Globus ist es sicherzustellen, dass auch in Zukunft alle Kerntätigkeiten von eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen werden können, anstatt aus den Leistungswettbewerb verzerrenden betriebswirtschaftlichen Erwägungen Teil- oder sogar ganze Arbeitsbereiche an externe Dienstleister zu günstigeren Konditionen auszugliedern. Dies ist leider in der Branche üblich geworden ist. Nicht vergessen werden darf, dass Globus die höchste Personalkostenquote der deutschen Einzelhandelsunternehmen aufweist.

Globus selbst hatte 2007 die Globus Personalservice Gesellschaft gegründet, um eine Auslagerung der Bereiche zu vermeiden. Das Tochterunternehmen ist rechtlich selbstständig und hat eine eigene Geschäftsführung. Sie tritt werblich am Markt auf, steht im Wettbewerb zu anderen Zeitarbeitsunternehmen und besitzt eine unbefristete Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung. Das Unternehmen ist Mitglied im IGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen) und wendet den mit dem DGB vereinbarten IGZ Tarifvertrag an. Von den rund 32.500 bei der Globus-Gruppe beschäftigten Mitarbeitern, sind aktuell rund 1.350 Mitarbeiter bei der GPSG. Das entspricht einem Anteil von 4 Prozent. In der Mehrzahl der Betriebe der Globus-Gruppe sind gar keine GPSG Mitarbeiter angestellt. Die Bandbreite der Entlohnung liegt zwischen 8,19 Euro und 10,42 Euro pro Stunde(West). Dazu kommen ggf. individuell vereinbarte Zulagen. Die Mitarbeiter sind überwiegend in der Metzgerei, Bäckerei, Gastronomie oder an der Kasse tätig. Globus ist jedoch bestrebt, bessere Alternativen zur konzerneigenen Zeitarbeit zu finden und die GPSG-Mitarbeiter dann direkt bei Globus zu beschäftigen.

Lange über neuen Tarifvertrag verhandelt

Seit mehr als zehn Jahren verfolgt Globus nunmehr das Ziel, eine Reform des Tarifvertrags im Einzelhandel zu erreichen, die auch die genannten Globus-Besonderheiten berücksichtigt. Aus diesem Grunde engagierte sich das Unternehmen in dem Projekt FIT (Fachgruppe innovative Tarifpolitik)/NESt (Neue Entgeltstruktur), in dem sowohl Gewerkschafts- als auch Unternehmensvertreter mitwirkten. Ver.di hat im letzten Jahr die gemeinsame Projektarbeit noch vor der geplanten Einführung beendet, ohne zu erklären, wie die erforderlichen Reformen nunmehr angegangen werden sollen. In Folge dieses Schrittes und der Erfahrungen in zahlreichen Tarifrunden, erwartet Globus, dass auch die anstehende Tarifrunde zwischen Arbeitgeberseite und Ver.di keine wesentlichen Änderungen hervorbringen wird. Globus hält es daher für notwendig, einen eigenen Weg einzuschlagen, der auf die Besonderheiten des Unternehmens zugeschnitten ist. Dabei wird Globus eng mit seinen Betriebsräten zusammenarbeiten.

Gerechte, transparente und wettbewerbsfähige Entgeltstrukturen schaffen

Die Entscheidung, aus den Tarifverträgen bundesweit auszusteigen, betrifft alle Globus-Mitarbeiter, bei denen bislang die Tarifverträge angewandt wurden. Selbstverständlich wird Globus ihnen Bestandsschutz zusichern. Die bestehenden tarifgebundenen Arbeitsverträge werden durch die angestrebten betrieblichen Entgeltstrukturen nicht verändert. Dies bedeutet, das bestehende Ansprüche zum Beispiel auf die Höhe des monatlichen Gehalts, die vereinbarte Wochen- und Monatsarbeitszeit, Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld), Urlaub und die betriebliche Altersvorsorge gemäß der Arbeitsverträge erhalten bleiben. Die Tarifrunde im Einzelhandel startet ab dem 1. April 2013. Sobald es einen Tarifabschluss im Einzelhandel geben wird, wird auch Globus die Erhöhung der Gehälter prüfen. Es sind grundsätzlich keine Null-Runden für die Mitarbeiter mit Bestandsschutz geplant.

Das künftige, insbesondere für neue Mitarbeiter geltende Globus-spezifische Entgeltsystem soll in einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Betriebsräte und Führungskräften, gestaltet werden. Ziel ist ein transparentes Entgeltsystem, das allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Perspektive bietet, Leistung fair vergütet, aber auch für Globus im Wettbewerb finanziell vertretbar ist.

Globus ist überzeugt, dass es durch eine eigene, auf die Besonderheit der Globus-Arbeitsplätze zugeschnittene Entgeltstruktur gelingen wird, das Unternehmen und die Arbeitsplätze zukunftsfähig zu gestalten. Selbstverständlich muss auch diese neue Entgeltstruktur marktgerecht sein, denn auch Globus steht nicht nur mit den übrigen Einzelhandelsunternehmen, sondern auch mit vielen anderen Arbeitgebern im Wettbewerb um motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Globus beschäftigt im Branchenvergleich überdurchschnittlich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Zufriedenheit hat nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Über Globus

Franz Bruch eröffnete 1828 im saarländischen St. Wendel einen Kolonialwarenladen, den Vorgänger der heutigen SB-Warenhäuser. Zu Bruchs Grundsatz der „billigsten und reellsten Bedienung für jeden Kunden“ bekennen sich bis heute alle Generationen von Globus-Mitarbeitern.

Das Unternehmen ist konzernunabhängig und eines der führenden Handelsunternehmen in Deutschland. Zur Globus-Gruppe gehören im Inland 45 SB-Warenhäuser, 78 Baumärkte, neun Elektrofachmärkte und zwei Globus Drive-Stationen. In Tschechien und Russland ergänzen 21 Vollsortimenter, in Luxemburg zwei Baumärkte die Standortanzahl. Im Geschäftsjahr 2011/2012 erwirtschaftete die Globus-Gruppe einen Umsatz von rund 6,46 Mrd. Euro. Globus beschäftigt insgesamt 32.500 Mitarbeiter, davon sind 94 Prozent sozialversicherungspflichtige Voll- und Teilzeitkräfte.

Die Hälfte der Mitarbeiter ist zudem als stille Gesellschafter am Erfolg des Unternehmens beteiligt und profitiert auf diese Weise unmittelbar von der stetigen positiven Entwicklung des Unternehmens. 2008 verlieh die Hertie-Stiftung den SB-Warenhäusern von Globus das Zertifikat „berufundfamilie“ und zeichnete damit die Personalarbeit zur guten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben aus.

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