Erste Hilfe für Ihr Kind

Babys entdecken ihre Welt mit allen Sinnen – da wandert auch schon mal der Legostein vom großen Bruder in den Mund. Damit Sie in einer Gefahrensituation richtig handeln zeigen wir Ihnen, auf was Sie achten müssen und geben Ihnen einen Überblick der wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Kleinkinder lieben es, zu rennen, zu hüpfen und die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Mit dem Bobby Car sind sie Feuerwehrmänner oder fahren Autorennen und mit dem Laufrad sausen sie Abhänge hinab. Auch wenn Ihnen Ihr kleiner Weltentdecker oft zu wild erscheint, unterstützen Sie Ihr Kind in seiner Bewegungslust. Studien zeigen, dass sich Kinder heutzutage eher zu wenig als zu viel bewegen. Seien Sie aber immer zur Stelle, wenn es brenzlig wird, da die Kleinen gerne dazu neigen, sich zu überschätzen. Wir zeigen Ihnen, was Sie tun können, um auf Ihren kleinen Draufgänger aufzupassen und haben Tipps zur Ersthilfe, sollte es doch zu einer Bruchlandung kommen.

Kind spielt mit Stecker

Gut vorbereitet für kleine Notfälle

Ganz wichtig, egal was passiert: Ruhig bleiben. Auch wenn es leichter gesagt als getan ist. Denn es hilft niemandem, wenn Sie in Panik geraten und die Nerven verlieren. Überblicken Sie stattdessen die Situation: Was ist passiert und wie schlimm ist die Verletzung? Besteht noch eine unmittelbare Gefahr? Bringen Sie als erstes Ihr Baby zum Beispiel im Straßenverkehr oder bei heißen Herdplatten in Sicherheit. Überprüfen Sie die lebenswichtigen Funktionen Ihres Schatzes und leiten Sie falls nötig lebensrettende Sofortmaßnahmen ein, bevor Sie einen Notruf absetzen.

Kind versucht Topf auf dem Herd zu greifen

Der gefährlichste Raum der Wohnung: die Küche

Laut Studien ist der gefährlichste Raum der Wohnung die Küche. Hier lauern viele Gefahren für Ihren Nachwuchs: Verbrühungen und Verbrennungen durch heiße Herdplatten, kochendes Wasser und siedendes Fett oder Vergiftungen durch Putzmittel oder Medikamente. Viele Unfälle lassen sich durch das Sichern der Schränke oder durch ein Herdgitter vermeiden. Auch Tassen mit heißem Kaffee oder Tee sollten immer so stehen, dass Ihr Baby sie nicht zu fassen bekommen kann.

Richtig reagieren im Falle des Falles

Ersticken

Bekommt Ihr Baby keine Luft mehr, dann blockiert etwas die Luftröhre und Sie müssen die Luftwege schnell wieder freibekommen. Kann Ihr Kind noch Husten, unterbinden Sie das nicht, dann ist die Luftröhre nur blockiert und könnte durch das Husten befreit werden. Rufen Sie auf jeden Fall die 112 an, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Um die Blockade in der Luftröhre zu entfernen, setzen Sie sich auf einen Stuhl und halten Sie das Baby mit dem Gesicht nach unten auf Ihrem Schoß. Der Oberkörper sollte über Ihrem Knie hängen, das Gesicht und den Kopf können Sie mit einer Hand stützen. Schlagen Sie mit der Handinnenseite der anderen Hand dem Kind bis zu fünf Mal kräftig zwischen die Schulterblätter. Führen die Rückenschläge zu keiner Verbesserung, können Sie bei Säuglingen eine Thoraxkompression durchführen. Das Heimlich-Manöver wird für Kinder unter einem Jahr allerdings nicht empfohlen, da die Verletzungsgefahr zu hoch ist. Legen Sie den Säugling in Rückenlage auf ihre Beine, der Kopf in Richtung Knie. Umfassen Sie mit der Hand den Hinterkopf des Kindes, um es zu stabilisieren. Suchen Sie mit Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand die Mitte des Brustbeins (stellen Sie sich hierfür eine Linie zwischen den Brustwarzen vor und gehen Sie in der Mitte davon einen Fingerbreit nach unten) und verabreichen Sie 5 Kompressionen wie bei einer Herzdruckmassage. Durch den entstehenden Druck wird versucht den Fremdkörper zu lösen. Nach der Anwendung von Rückenschlägen und/oder Thoraxkompression muss eine körperliche Untersuchung durch den Kinderarzt erfolgen.

Vergiftung

Hat Ihr Kind Medikamente, Spülmittel o.ä. getrunken oder verschluckt, rufen Sie beim Gift-Notruf an, fahren Sie zügig zum nächsten Krankenhaus oder rufen Sie den Rettungswagen. Nehmen Sie das Spülmittel mit und informieren Sie die Ärzte, so dass gezielt geholfen werden kann. Bringen Sie Ihr Kind nicht zum Erbrechen – dabei passiert die Substanz erneut die Speiseröhre und es kann zu weiteren Verätzungen kommen.

Hier haben wir alle Giftnotrufnummern zusammengestellt

Bewusstlosigkeit

Reagiert Ihr Baby nicht auf lautes Ansprechen oder Berührungen, atmet aber noch, müssen Sie es in eine Bauchlage (statt wie bei Kleinkindern in die stabile Seitenlage) bringen. Den Kopf zur Seite drehen, leicht nach hinten neigen und den Mund öffnen. So kann es weiter atmen und Erbrochenes kann abfließen, wodurch die Gefahr des Erstickens gemindert wird.

Verbrennungen und Verbrühungen

Die kindliche Haut ist viel empfindlicher als die von uns Großen. Ein Kleinkind kann sich schon an einer Tasse heißen Tee schlimm verbrühen. Hat Ihr Kind auf die Herdplatte gefasst oder sich mit kochendem Wasser übergossen, sollten Sie die Hautstellen so schnell wie möglich kühlen. Rufen Sie bei einer großflächigen Verbrühung sofort den Notruf und duschen Sie ihr Kind mit kühlem Wasser (ca. 20°C) ab. Kleidung, die mit der Haut verklebt ist, nicht mit Gewalt entfernen. Kühlen Sie die verbrühten Stellen nicht mit Eis oder Eiswasser – der Schmerz verschwindet zwar im ersten Moment, danach werden die Stellen aber umso stärker durchblutet. Experimentieren Sie auch nicht mit Salben und Ölen, die anschließend aus den Wunden gewaschen werden müssen.

Ertrinken

Babys und kleine Kinder können selbst in niedrigem Wasser ertrinken, da sie unter Wasser die Orientierung verlieren. Dabei schlagen sie aber nicht wild um sich, sondern ertrinken leise. Falls Ihr Kind länger unter Wasser war und nicht bei Bewusstsein ist, rufen Sie sofort den Krankenwagen und beginnen Sie unverzüglich mit der Beatmung und Herzmassage. Lassen Sie Ihren Schatz in der Badewanne und im Schwimmbad nie unbeaufsichtigt.

Kind mit Pflaster auf dem Knie

Wunden - Oft reicht ein Pflaster

Vor allem Schürfwunden kommen bei Kleinkindern oft vor. Sie sehen zwar schlimm aus, sind aber in der Regel nicht tief. Achten Sie bei Wunden immer darauf, dass kein Dreck hineinkommt. Eine Schürfwunde kann mit Wund-Desinfektionsmittel gereinigt werden. Bei tieferen Wunden muss zunächst die Blutung gestillt werden, z.B. mit einem Druckverband. Fahren Sie ggf. ins Krankenhaus. Bei kleinen harmlosen Wunden hilft zum Glück oft schon ein buntes Pflaster, um das Kind zu beruhigen.

Was tun, wenn Ihr Kind beim Balancieren von der Mauer gestürzt ist und Sie einen Knochenbruch vermuten? Hat Ihr Kind Schmerzen, ist die Beweglichkeit eingeschränkt, ein Körperteil unnatürlich verdreht oder kommt es zu einer Schwellung, rufen Sie den Krankenwagen oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme. Dort wird es geröntgt und der Verdacht auf einen Knochenbruch kann abgeklärt werden. Bei einem Bruch sollte das betroffene Körperteil so wenig wie möglich bewegt und z.B. mit einer zusammen gerollten Decke ruhiggestellt werden. Ist es zu einem offenen Bruch gekommen, darauf achten, dass keine Keime in die Wunde kommen.

Tipp: Auch, wenn es Ihnen schwerfällt: Bewahren Sie bei einem Unfall Ruhe. Für Ihr Kind gibt es nichts schlimmeres, als ein weinendes Elternteil, dass panisch reagiert.

Sie wissen nicht mehr, wie Sie einen Verletzten in die stabile Seitenlage bringen oder richtig beatmen? Dann wird es Zeit für eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses. Für Eltern mit Babys und kleinen Kindern gibt es auch spezielle Kurse. Hier lernen Sie alles, was wichtig ist, um im Ernstfall Ruhe zu bewahren und Ihrem Kind helfen zu können. Zudem sollten Sie nicht nur Pflaster im Haus haben, sondern auch einen voll ausgestatteten Verbandkasten.

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