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DR. MED. SCHAHIN ALIANI

Kinder- und Jugendarzt in Saarlouis. Er führt zusätzlich weitere Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen.

Parasiten im Kindesalter

Was juckt denn da?

Der Kopflausbefall ist in Deutschland die mit Abstand häufigste parasitäre Infektion. Aber auch die Krätze sowie der Wurmbefall sind nicht selten. Was Sie als Eltern wissen sollten, fasst Kinderarzt Dr. Schahin Aliani zusammen.

Grundsätzlich gilt: Dort, wo viele Menschen zusammenkommen, kommt es vermehrt zu parasitären Erkrankungen.

Ein Mächen mit Kopfläusen

Die Kopflaus

Das flügellose, etwa 2–3 mm große Insekt lebt permanent im Kopfhaar ihres einzigen Wirtes, dem Menschen, und ernährt sich von menschlichem Blut. Durch die beim Saugakt in die Kopfhaut eingebrachten Speichelproteine kommt es zu einem ausgeprägten Juckreiz. In unseren Breitengraden werden durch die Kopflaus keine Erkrankungen übertragen.

Um eine Behandlung korrekt durchzuführen, ist es nützlich, den Lebenszyklus des Tieres zu kennen. Die Kopflaus wird ca. 4 Wochen alt und kann in dieser Zeit 90–140 Eier produzieren. Das befruchtete Weibchen heftet seine ovalen, 0,8 mm langen Eier, die fälschlich auch als Nissen bezeichnet werden, kopfhautnah, maximal 1 cm von der Kopfhaut entfernt, wasserunlöslich an die Haare. Nissen sind genau genommen nur die Chitinhüllen der Eier. Das bedeutet, dass kopfhautferne Nissen nicht mehr infektiös sind, da hier die Larven schon längst geschlüpft sind.

7–8 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven, die wiederum nach 9–11 Tagen selbst Eier legen können. Somit beträgt ein Zyklus von Eiablage zu Eiablage 17–22 Tage.

Während andere Parasiten tatsächlich durch Hygienemängel verbreitet werden, hat der Kopflausbefall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sie können sich jeden Tag dreimal die Haare waschen und dennoch befallen sein. Hierdurch werden die Läuse vielleicht sauberer, die Infektion aber nicht behandelt.

Die wichtigesten Fagen zur Kopflaus

Die Laus braucht mehrmals täglich eine Blutmahlzeit, ohne die sie nach einigen Stunden austrocknet, bewegungslos wird und stirbt. Da Kopfläuse keine Flügel haben und auch nicht sprunggewaltig sind, erklärt sich der Hauptübertragungsweg: der direkte Haar-zu-Haar-Kontakt. Weitaus seltener kann es auch zu einer indirekten Infektion über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Kämme und Kopfbedeckungen kommen. Haustiere sind keine Überträger.

Solange geschlechtsreife Läuse Eier legen können, ist man ansteckend. Da die frisch geschlüpfte Larve erst nach 9–11 Tagen selbst wieder Eier legen kann, geht von den Jungen erst mal keine Gefahr aus und man kann sie durch nasses Auskämmen entfernen.

Findet man lebende Läuse, Larven oder kopfhautnahe Eier, hat man den Beweis einer Infektion. Bei weniger eindeutigen Fällen muss man die angefeuchteten Haare mit einem speziellen Kamm, einem Nissenkamm, sorgfältig auskämmen, um nach Läusen, Larven oder Eiern zu suchen. Bei den Eiern muss man zwischen den leeren Eihüllen und den larventragenden Eiern unterscheiden. Die leeren Eier sind in der Regel mehr als 1 cm von der Kopfhaut entfernt und schimmern weiß bis perlschnurartig. Entwicklungsfähige Eier schimmern gelblich und sind kopfhautnah. Beide lassen sich im Gegensatz zu Hautschuppen nicht ohne Weiteres von den Haaren abziehen.

Man muss die Laus selbst, aber auch die vermehrungsfähigen Eier abtöten. Hierzu gibt es eine Reihe zugelassener Mittel. Zusätzlich sollten die Haare mehrfach nass ausgekämmt werden. Die Hersteller bieten alle entsprechenden Informationen mit ihren Produkten an. Allen gemeinsam ist allerdings die Mehrfachbehandlung, da es aufgrund des oben erwähnten Lebenszyklus eine Behandlungslücke gibt. Daher muss die Therapie nach 8–10 Tagen wiederholt werden. „Wiederholte“ Infektionen sind sehr, sehr selten und beruhen meist auf einer nicht korrekt durchgeführten eigenen Behandlung als durch Kontakt mit anderen. Die häufigsten Fehler sind zu kurze Einwirkzeiten, zu sparsames oder ungleichmäßiges Ausbringen des Mittels, eine zu starke Verdünnung des Mittels in triefend nassem Haar, vor allem aber das Unterlassen der Wiederholungsbehandlung.

Eltern sind gesetzlich verpflichtet, der Schule, Kindergarten etc. den Befall zu melden. Nach der Erstbehandlung darf man wieder in die Gemeinschaftseinrichtung, da vorausgesetzt wird, dass die Wiederholungsbehandlung sachgerecht durchgeführt wird. Zur Bestätigung der eingedämmten Infektiosität wird von Einrichtungen oft ein ärztliches Attest verlangt. Im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden und den Einrichtungsleitungen kann allerdings auch eine Bestätigung der Eltern ausreichend sein. Volkswirtschaftlich richtet die Kopflaus jährlich einen immensen Schaden an, da Eltern wegen Behandlung und Betreuung der Kinder der Arbeit fernbleiben müssen: kleines Tier, große Wirkung.

Ein Kind mit Krätze

Krätze (Skabies)

Die Krätze wird durch die auf den Menschen spezialisierte Krätzmilbe, ein zu den Spinnentieren gehörender Parasit, ausgelöst. Die Symptomatik hängt unter anderem vom Immunstatus des Infizierten ab und tritt bei Erstinfektion nach 2–5 Wochen und bei darauffolgenden Infektionen nach 1–4 Tagen auf. Vorherrschendes Symptom ist der ausgeprägte Juckreiz.

Nach der Begattung auf der Hautoberfläche bohren sich die weiblichen Tiere während eines 20–30-minütigen Penetrationsvorgangs durch die obere Hautschicht, um in den tieferen Hautschichten bei einem Lebenszyklus von 30–60 Tagen in kleinen Kanälchen Eier abzulegen. Nach 2–3 Tagen schlüpfen aus diesen Eiern Larven, die wieder an die Hautoberfläche kriechen, um dort nach 2–3 Wochen erneut geschlechtsreif zu werden.

Das Überleben der Milbe hängt von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Bei 50 °C überleben sie nur 10 Minuten. Bei den klimatischen Verhältnissen in Deutschland kann davon ausgegangen werden, dass die Milben außerhalb der menschlichen Haut nur ca. 48 Stunden überleben können. Die Übertragung der gewöhnlichen Krätze bedarf eines engen großflächigen Haut-zu-Haut-Kontakts über mindestens 5–10 Minuten. Das bedeutet, dass eine Übertragung durch übliche Begrüßungsrituale wie Händeschütteln, Umarmungen oder Begrüßungsküsse nicht stattfindet. Eine Übertragung über Textilien ist möglich, aber sehr selten.

Das Ziel der Therapie ist, Milben, Larven und Eier abzutöten. Direkt nach lokaler Hautbehandlung oder 24 Stunden nach einer Tabletteneinnahme ist man, ausgewiesen durch ein ärztliches Attest, wieder zugelassen zur Gemeinschaftseinrichtung. Die Behandlung sollte sofort nach Diagnosestellung beginnen und unter Umständen auch enge Kontaktpersonen einschließen.

Neben der medizinischen Therapie gehören auch Umgebungsmaßnahmen zur erfolgreichen Behandlung. Alle Textilien mit längerem Körperkontakt sollten mindestens 10 Minuten bei mindestens 50 °C gewaschen werden. Falls dies nicht möglich ist, können Textilien für mindestens 72 Stunden bei mindestens 21 °C luftdicht in Plastiksäcken gelagert werden. Polstermöbel, Sofas und Teppiche können auch abgesaugt werden; die Staubbeutel müssen danach entsorgt werden.

Ein Kind mit Bauchschmerzen

Fadenwurmbefall

Weltweit gehören die verschiedensten Wurmerkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Der Madenwurm (Enterobius vermicularis oder Oxyuris vermicularis), ein menschenpathogener Darmparasit, gehört zu den Fadenwürmern und ist Erreger der Enterobiasis oder auch Oxyuriasis. Haustiere spielen bei der Übertragung keine Rolle. Die madenartigen weißen Würmer werden 9–12 mm lang (Weibchen).

Auch bei diesen Tieren ist es sinnvoll, den Lebenszyklus zu kennen, um richtig zu behandeln. Die Infektion beginnt durch die orale Aufnahme von Eiern. Im Darm schlüpfen dann die Larven und es kommt zur Begattung. Die eiertragenden Weibchen können bis zu 100 Tage alt werden und wandern aktiv bis zum Enddarm. In Zeiten körperlicher Ruhe, also vor allem während des Schlafes, wandern die Weibchen aus dem Anus heraus und legen ihre Eier um den Anus auf der Haut ab. Die Wurmbewegungen am Anus verursachen einen ausgeprägten Juckreiz. Vor allem Kinder versuchen diesen Juckreiz mit den Fingern zu stillen. Dabei werden die Finger erneut mit Eiern kontaminiert und oral aufgenommen und der Zyklus beginnt von vorne. Diese Form der Infektion wird Autoinfektion oder Eigeninfektion genannt.

Das Zeitintervall von Eiaufnahme bis zur Eiablage am Anus beträgt 2–6 Wochen. Besonders betroffen sind Kinder zwischen vier und elf Jahren. Mangelnde Hygieneroutinen wie zum Beispiel das Händewaschen vor dem Essen sowie die selbstständige unkontrollierte Körperpflege bei Kleinkindern begünstigen die Verbreitung.

Die Wurmeier können mehrere Tage in der Umwelt überleben. Kommt es nicht zur Autoinfektion, heilt diese Infektion aufgrund der begrenzten Lebensdauer der Larven von allein ab.

Fast 50 % der Erkrankten bemerken die Erkrankung gar nicht, sie verläuft dann asymptomatisch. Genauso häufig kommt es aber zu einem ausgeprägten nächtlichen Juckreiz um den Analkanal. Bei stärkerem Befall kann man die weißen Würmchen im Stuhlgang sehen, womit die Verdachtsdiagnose bestätigt ist. In nicht so offensichtlichen Fällen kann die Diagnose auch durch mikroskopische Untersuchung gestellt werden. Sehr hilfreich ist hierbei das sogenannte Abklatschpräparat. Hierbei wird morgens nach dem Schlafen die Haut um den Anus mit einem transparenten Klebefilmstreifen mehrfach flächig abgetupft. In diesem sogenannten Abklatschpräparat kann man dann die Eier mikroskopisch entdecken. Es gibt verschiedene zugelassene Medikamente in Tabletten- und Sirupform. Die Herausforderung ist nicht die effektive Therapie, sondern das Verhindern einer Eigeninfektion nach oben beschriebenem Muster.

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. MED. SCHAHIN ALIANI

Kinder- und Jugendarzt in Saarlouis. Er führt zusätzlich weitere Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen: Kinder Onkologie/Hämatologie, Naturheilverfahren, Ernährungsmedizin, sowie das Akupunktur A Diplom, psychosomatische Grundversorgung, Asthmatrainer

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie als Weltentdecker unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

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