Angebote
Produkte
Shop
Mein Globus
Einkaufsliste
Autor
DR. FRANCA GATTO-COLLURA

Kinder- und Jugendärztin in Wadgassen. Sie führt zusätzlich weitere Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen.

Vegane Ernährung bei Kindern

Das sollten Sie beachten

Neben der normalen Mischkost und vegetarischer Ernährung wird die vegane Ernährungsweise in Deutschland zunehmend beliebter. Aber können sich auch Kinder vegan ernähren? Worauf gilt es zu achten? Dr. Franca Gatto klärt auf.

Ein Teller mit Gemüse als Bäume drappiert

Eine vegane Ernährung bedeutet, dass man sich ausschließlich von rein pflanzlichen Lebensmitteln ernährt. Verzichtet wird daher auf jegliche Nahrungsmittel tierischer Herkunft, also Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukte, Eier und Honig. Viele Nährstoffe, auf die unser Körper zur Aufrechterhaltung der verschiedenen Stoffwechselvorgänge im Körper angewiesen ist, kommen nun aber in ausreichender Menge überwiegend in tierischen Lebensmitteln vor. Erschwerend kommt hinzu, dass Kinder natürlicherweise gewisse Vorlieben und Abneigungen gegenüber Nahrungsmitteln entwickeln, sodass die Gefahr besteht, dass der Speiseplan auf wenige Nahrungsmittel reduziert wird. Daraus kann eine sehr einseitige Ernährung resultieren, mit der Gefahr eines ausgeprägten Nährstoffmangels.

Ist also von einer veganen Ernährung abzuraten? Ob sie ihre Kinder vegan ernähren oder nicht, müssen Eltern selbst entscheiden. Man sollte einfach immer nur daran denken, dass ein Mangel an Nährstoffen schwerwiegende Folgen für die Entwicklung des Kindes bedeuten kann. Sollten Sie sich für eine vegane Ernährung für Ihr Kind entscheiden, sollten Sie sich genau informieren, wie hoch der Bedarf an gewissen Nährstoffen ist und welche Nahrungsmittel den Bedarf dieser Nährstoffe decken können. Außerdem sollte Ihr Kind regelmäßig Ihrem Kinderarzt vorgestellt werden. Gegebenenfalls können auch Kontrollen der Blutwerte helfen, frühzeitig einen Mangel zu erkennen. Wird ein solcher Mangel nachgewiesen, müssen ggf. Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden, wenn der Bedarf aus Nahrungsmittel nicht ausreichend gedeckt werden kann.

Positiv bleibt zu erwähnen, wie in Studien herausgefunden wurde, dass vegan ernährte Kinder mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse verzehren, weniger naschen und seltener Fertignahrungsmittel verzehren.

Wichtige Nährstoffe

Wenn Sie Ihr Kind vegan ernähren möchten oder bereits vegan ernähren, werden Ihnen die folgenden Informationen sehr helfen. Welche Nährstoffe können denn fehlen? Und wozu braucht unser Körper überhaupt diese Nährstoffe? Um dies besser zu verstehen, werde ich in den folgenden Abschnitten die Funktion und das Vorkommen einiger Nährstoffe näher beschreiben.

Dieses lebensnotwendige Spurenelement wird mit der Nahrung aufgenommen. Es ist an verschiedenen Stoffwechselwegen im Körper beteiligt, u. a. an der Zellbildung und an der Versorgung von Zellen und Organen mit Sauerstoff. Säuglinge, Kleinkinder und menstruierende Mädchen haben einen erhöhten Eisenbedarf. Dieser kann nur schwer aus pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden. Eisen aus tierischen Lebensmitteln wird vom Körper besser aufgenommen. Daher ist die Gefahr für die Entstehung eines Eisenmangels bei veganer Ernährung sehr hoch.

Die Folgen eines Eisenmangels können Verzögerungen der geistigen und körperlichen Entwicklung sein, erhöhte Infektanfälligkeit, Lern- und Konzentrationsschwäche sowie Müdigkeit und eine Anämie (Blutarmut).

Dieses Vitamin ist ebenfalls an verschiedenen Stoffwechselfunktionen beteiligt und wichtig für das Wachstum und die Entwicklung. Bei einer gemischten Kost nehmen wir Vitamin B2 hauptsächlich über Milchprodukte auf. Aber auch in verschiedenen Gemüse- und Obstsorten, Nüssen, Pilzen, Kürbiskernen, Soja- und Vollkornprodukten ist Vitamin B2 enthalten, sodass der Bedarf auch durch den Verzehr dieser Nahrungsmittel gedeckt werden kann. Ein ausschließlicher Mangel an Vitamin B2 kommt selten vor und ist meist mit anderen Nährstoffdefiziten kombiniert.

Auch Vitamin B12 ist ein lebensnotwendiger Nährstoff für den Körper, da er an verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt ist., u. a. an der Blutbildung und Nervenfunktion. Zu einem Mangel kann es kommen, weil auch Vitamin B12 überwiegend in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs vorkommt. Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte sind gute Vitamin-B12-Lieferanten. In pflanzlichen Produkten ist das Vitamin, wenn überhaupt, nur in geringen Mengen vorhanden. Ein Mangel kann u. a. zur Beeinträchtigung der Entwicklung des heranwachsenden Gehirns führen.

Das Vitamin gilt unabhängig von der Ernährungsweise als potentiell kritischer Nährstoff, da es nur wenige Lebensmittel gibt, die Vitamin D in nennenswerten Mengen enthalten. Zu finden ist es vor allem in Lebensmitteln tierischer Herkunft, wie z. B. fetter Seefisch, bestimmte Innereien und Eier.

Vitamin D ist am Knochenstoffwechsel beteiligt und übernimmt eine wichtige Funktion bei der Mineralisierung des Knochens. Darüber hinaus ist es an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann Vitamin D von unserem Körper selbst hergestellt werden. Dieser Prozess ist jedoch von äußeren, aber auch individuellen Faktoren abhängig. Zu den äußeren Einflüssen zählen die Sonnenscheindauer, Breitengrad, Jahres- und Tageszeit sowie die Witterung.

Zu den individuellen Faktoren zählen Lebensalter, Hautfarbe, Körpergewicht, Aufenthalt im Freien, Kleidung und Verwendung von Sonnenschutzmitteln. Weiterhin können bestimmte Erkrankungen oder Medikamente einen Vitamin-D-Mangel begünstigen, der die Knochen „erkranken“ lassen kann. Es kann zur Entkalkung und letztendlich zur Erweichung der Knochen kommen. Bei Säuglingen und Kindern kann dies zum Krankheitsbild der Rachitis führen, das heißt zu schwerwiegenden Störungen des Knochenwachstums und zu bleibenden Verformungen des Skeletts. Zudem werden häufig eine verringerte Muskelkraft, ein verminderter Muskeltonus sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit beobachtet.

Unser Körper braucht Calcium als Baustein für Knochen und Zähne. Calcium wird hauptsächlich über tierisches Eiweiß bezogen, also über Milch und Milchprodukte. Da Veganer auf diese Nahrungsmittel verzichten, kann hier sehr leicht ein Mangel entstehen. Seine Funktion kann Calcium im Körper nur dann gut erfüllen, wenn auch ausreichend Vitamin D vorhanden ist. Ein Mangel an Calcium kann ebenfalls zu einer Knochenerweichung, der Rachitis, bei Kindern führen.

Proteine sind Energielieferanten und Bausteine für unseren Körper. Sie sorgen für das Wachstum unserer Zellen und unseres Gewebes und übernehmen zahlreiche lebensnotwendige Funktionen in unserem Körper. Sie sind z. B. beteiligt an der Immunabwehr, Muskelbewegungen und Verdauung. Proteine sind daher essentiell, also lebenswichtig, für unseren Körper, v. a. in Phasen gesteigerten Wachstums oder erhöhter Nachfrage. Daher muss v. a. im Kindes- und Jugendalter auf eine ausreichende Proteinzufuhr geachtet werden. Zu finden sind Proteine sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Kerne, Vollkorngetreide und Sojaprodukte).

Der lebensnotwendige Nährstoff sorgt dafür, dass unsere Haut, Haare und Nägel schön bleiben. Zink unterstützt weiterhin unser Immunsystem und unsere Wundheilung. Neben tierischen Nahrungsmitteln (Innereien, rotes Fleisch und Schalentiere) ist es in vielen pflanzlichen Lebensmitteln (Hülsenfrüchte, Nüsse und Getreide, hier v. a. Weizenkleie) zu finden. Aber auch bei Zink ist es genauso wie bei den meisten der bereits genannten Nährstoffe: Unser Körper kann es aus pflanzlichen Nahrungsmitteln nicht so gut verwerten wie aus tierischen.

Das Spurenelement wird v.a. von unserer Schilddrüse benötigt, um Schilddrüsenhormone zu bilden. Diese wiederum regulieren wichtige Stoffwechselabläufe im Körper, wie z. B. Gewebewachstum, Zellteilung und die Entwicklung von Knochen und Gehirn. Jod kommt v. a. in tierischen Lebensmitteln vor, insbesondere in Seefisch und Meerestieren. Auch Tierfutter wird mit Jod angereichert, sodass wir auch durch den Verzehr von tierischen Lebensmitteln wie Milch, Käse oder Eier Jod aufnehmen.

Jod kommt aber auch in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Der Jodgehalt dieser pflanzlichen Lebensmittel ist jedoch stark vom Bodengehalt abhängig. Leider zählt Deutschland zu den jodarmen Gebieten, weil die Böden hierzulande nur geringe Mengen von dem lebenswichtigen Spurenelement enthalten. Dementsprechend ist auch der Jodgehalt der pflanzlichen Lebensmittel, die hier angebaut werden, gering. Man müsste also unrealistisch große Mengen davon essen, um eine ausreichende Versorgung mit Jod sicherzustellen. Ein wichtiger Jodlieferant ist aber auch jodiertes Speisesalz.

Man unterscheidet zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Ungesättigte Fettsäuren sind die gesunden Fette. Man unterscheidet weiterhin zwischen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören die Omega-3- und die Omega-6-Fettsäuren. Sie sind an verschiedenen Vorgängen im Körper beteiligt und spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Funktion des Gehirns und des Nervensystems. Sie sind essentiell für unseren Körper, d. h. er kann sie nicht selbst herstellen und muss sie daher zwingend über die Nahrung aufnehmen. Die einfach ungesättigten Fettsäuren dagegen kann unser Körper selbst herstellen.

Zu finden sind einfach ungesättigte Fettsäuren in pflanzlichen Ölen wie Oliven- und Rapsöl, Früchten, Nüssen sowie fetten Fischarten, Dorschleber und Lebertran. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren kommen in Eiern, Haferflocken, Leinsamen, Avocado, Tofu, Lachs oder Walnüssen vor. Ein Mangel kann zu Entwicklungs- und Verhaltensstörungen beim Kind führen.

Das lebenswichtige Spurenelement kommt sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Allerdings ist der Gehalt an Selen in pflanzlichen Lebensmitteln abhängig vom Selengehalt der Böden und kann sehr unterschiedlich sein. In Europa sind die Böden eher selenarm. Eine ausreichende Versorgung mit Selen kann daher nur über tierische Nahrungsmittel erfolgen. Auch Selen ist an verschiedenen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Ein Mangel wirkt sich negativ auf unsere Schilddrüse, Immunsystem und viele andere Körperfunktionen aus. Selen ist vor allem in Fleisch, Fisch und Eiern sowie in Pilzen, Kohl- und Zwiebelgemüse, Linsen, Spargel und Nüssen (v. a. Paranüsse) enthalten.

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. FRANCA GATTO-COLLURA

Dr. Gatto-Collura ist Kinder- und Jugendärztin in Wadgassen mit den Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen Allergologin, Asthma- und Neurodermitistrainerin. Neben den Kindern in ihrer Praxis kümmert sie sich zu Hause noch um ihre eigenen zwei Kinder, im Alter von 4 und 6 Jahren.

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie auf den Seiten des Weltentdecker Clubs, des Kinderclubs von Globus, unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

Dies könnte Sie auch interessieren

Reisen mit Kindern

Allergien bei Kindern

Zeckenschutz

Allergien und Unverträglichkeiten

Sie möchten weitere informative und interessante Beiträge aus dem Weltentdecker Club lesen? Werden Sie kostenlos Mitglied.