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DR. BENEDIKT BRIXIUS

Niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Homburg und Pressesprecher des Berufsverbandes der saarländisches Kinder- und Jugendärzte.

Von Zecken übertragene Erkrankungen

Wie Sie sich und Ihre Lieben schützen können

Wird es Frühling, freuen wir uns, endlich wieder mit unseren Kindern Wiesen und Wälder zu durchstreifen. In bestimmten Regionen besteht dann ein erhöhtes Risiko, von Zecken gestochen zu werden. Dr. Benedikt Brixius erklärt, welche Erkrankungen übertragen werden können und wie Sie Ihre Kinder schützen können.

Zecke

Was ist eigentlich so gefährlich an Zecken?

Zunächst ein paar Grundlagen: Der Klimawandel, Zunahme der Mobilität sowie Freizeitaktivitäten in der Natur haben zu einem Anstieg von Infektionen und Ausbreitungsgebieten beigetragen. Durch die milden Winter ist längst nicht mehr der Frühling allein relevant.

Zecken sind sehr widerstandsfähig. Sie können sehr hohe (bis 45 °C) und tiefe Temperaturen (bis -18 °C) überleben. Zecken leben bevorzugt auf Sträuchern, Gräsern und in Büschen und fallen nicht, wie oft behauptet, von Bäumen herunter. Sie suchen feuchtwarme Körperpartien an ihrem Opfer auf, z. B. Achseln oder Leiste. Gelegenheiten, von Zecken gestochen zu werden, sind vielfältig: z. B. beim Zelten, Joggen, Angeln, Reiten, Wandern. Eine besondere Tücke des Stichs liegt darin, dass er durch betäubende Substanzen im Zeckenspeichel vom Opfer praktisch nicht gespürt wird.

Durch Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen werden, am häufigsten sind die Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME. Das Krankheitsbild kann lebensbedrohlich sein. Die Hirnhäute können sich entzünden, die Infektion kann sich aber auch im gesamten Nervensystem und im Gehirn ausbreiten.

Ein Junge mit einer Erkältung im Bett

FSME: Symptome und Krankheitsbild

Innerhalb von 3–14 Tagen nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es bei etwa 30 % der Betroffenen zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal auch Bauchschmerzen. Nach einem anschließenden symptomfreien Intervall, das große Schwankungsbreite von 1 bis 20 Tagen aufweist, treten bei 10 - 30 % der Erkrankten erneut Fieberattacken sowie neurologische Beschwerden auf (Bewusstseinsstörungen, Lähmungen).

Bei 60 % der FSME-Patienten kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), in selteneren Fällen zu einer Hirnentzündung oder einer Rückenmarkentzündung. Die Lähmungserscheinungen können Arme und/oder Beine betreffen, aber auch Schluck- und Sprechstörungen hervorrufen und mitunter sogar lebensbedrohliche Lähmungen der Atemmuskulatur auslösen. Je älter der Erkrankte, desto schwerer ist der Verlauf der Erkrankung.

Kinder, die ca. 15 % der FSME-Fälle ausmachen, haben glücklicherweise fast immer leichte Krankheitsverläufe. Nur bei höchstens 10 % der Kinder treten neurologische Folgen auf, z. B. Konzentrationsstörungen, Lähmungserscheinungen oder Epilepsie.

Wie sieht die Behandlung von FSME aus?

Eine gezielte Behandlung gegen das FSME-Virus gibt es leider nicht. Die Therapie beschränkt sich auf die Linderung der Symptome. Umso wichtiger ist deshalb die FSME-Impfung. Sie ist auf jeden Fall für Menschen zu empfehlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort oft aufhalten. Die Impfung ist sicher. Impfreaktionen sind selten: manchmal Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Impfstelle, vereinzelt Fieber innerhalb von 3–4 Tagen.

Erkrankungen, die durch Borrelien ausgelöst werden

Neben FSME übertragen Zecken auch Borrelien, die überall in der nördlichen Hemisphäre zu finden sind und in ca. 1 % der Stiche u. a. folgende Erkrankungen auslösen können:

Einige Tage bis zu 4 Wochen nach dem Zeckenbiss entsteht meist im Bereich der Bissstelle eine zentrale Rötung mit einem roten Ring, der zentrifugal wandert. Manchmal kann mit gleichem zeitlichen Abstand ein sogenanntes Lymphozytom entstehen, eine neu auftretende Papel. In dieser Situation hat der Patient oft keine Symptome, selten Fieber, Müdigkeit, Gelenkbeschwerden oder an der Zeckenbissstelle naheliegende Lymphknotenschwellungen.

Eine Blutentnahme zu diesem Zeitpunkt ist sinnlos, weil sie die aktuelle Infektion nicht darstellen kann, sondern nur einen in der Vergangenheit stattgefundenen Kontakt zu Borrelien. In dieser Phase eliminiert in aller Regel eine für 2 Wochen eingenommene antibiotische Therapie die Bakterien (Therapie der Wahl Amoxicillin; bei Amoxicillinallergie Cefuroxim).

Die Wanderrötung verschwindet auch ohne Therapie, was aber kein Zeichen für eine Heilung ist. Ohne diese kann es nach 1–4 Monaten zu einer Streuung des Erregers mit Folgeerkrankungen kommen. Deshalb schildere ich kurz die drei wichtigsten Erkrankungen mit ihren Symptomen.

Das Gesicht erscheint einseitig „schief“ beim Lachen, Essen, Grimassieren. Seltener sind Hirnentzündung, Gangstörung, Muskelschmerzen, Störung des Tastsinns oder andere neurologische Erkrankungen. Der Nachweis kann durch eine Hirnwasserpunktion aus dem Rückenmarkskanal gelingen.

Hierbei handelt es sich um eine wiederholte schmerzarme Entzündung von Gelenken, meist des Kniegelenks.

Herzrhythmusstörungen, Blutdruckerhöhung und Herzfrequenzanstieg.

Ein Junge bwird mit Insektenschutzmittel eingesprüht

Anders als bei der FSME gibt es gegen Borrelien keine Impfung. Umso wichtiger ist es, sich gegen Zeckenstiche zu schützen. Im Folgenden skizziere ich, was Sie tun können.

Vorsorge

Um das Risiko vor Zeckenstichen möglichst klein zu halten, ist es ratsam, in Endemiegebieten geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen. Repellentien (auf die Haut aufgetragene Substanzen, die Insekten nicht mögen) schützen zusätzlich. Nach jedem Aufenthalt in der Natur sollte die Haut – besonders bevorzugte Stichstellen wie Hals, Haarbereich des Kopfes, Ohren und Beine – gründlich nach Zecken abgesucht werden.

Zecken kommen weltweit vor, jedoch ist das FSME-Virus auf Europa und einige Teile Asiens mit unterschiedlichem Infektionsrisiko beschränkt. In Deutschlands Endemiegebieten tragen bis zu 5 % der Zecken den Erreger in sich. Gebiete mit sehr hohem Risiko sind in Süddeutschland die Niederungen des Donautals und seiner Nebenflüsse in Baden-Württemberg und Bayern.

Karte mit Risikogebieten

Verhalten bei Zeckenstich

Zecken sollten in jedem Fall möglichst schnell entfernt werden. Die FSME-Viren befinden sich im Speichel der Zecke und können schon innerhalb weniger Minuten übertragen werden. Je länger die Zecke saugen kann, desto höher ist das Infizierungsrisiko. Die Borrelien sind nicht so schnell wie die FSME-Viren, sie gehen erst nach einigen Stunden ins Blut über.

Wie entfernt man eine Zecke richtig?

Fassen Sie die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenkarte (notfalls auch mit den Fingernägeln) möglichst nah an der Einstichstelle und ziehen Sie sie vorsichtig nach oben. Leichtes Ruckeln oder Drehen kann manchmal helfen. Helfen kann auch, wenn man die Haut um den Zeckenstich ein wenig anspannt. Seien Sie vorsichtig, um ein Quetschen oder Zerdrücken des Zeckenkörpers zu vermeiden. Dadurch könnte die Übertragung von infektiösem Sekret auf den Menschen beschleunigt werden. Verwenden Sie auf keinen Fall „Hausmittel“ wie Öl, Klebstoff oder Nagellack. Auf diese Weise töten Sie die Zecke zwar, aber Sie erhöhen das Risiko, dass die Zecke vor ihrem Tod Magen- und Darminhalt in den menschlichen Körper abgibt. Dabei können Bakterien, die sogenannten Borrelien, die im Darm von Zecken leben, in das Blut des Menschen gelangen.

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. BENEDIKT BRIXIUS

Dr. Brixius ist niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Homburg. Seine Ausbildung zum Facharzt absolvierte er in der Kinderklinik Rüsselsheim und Universitätskinderklinik Homburg. Seit 2001 ist er in eigener Praxis niedergelassen. 2003 erfolgte eine Weiterbildung zum Arzt für Homöopathie. Dr. Brixius ist Pressesprecher des Berufsverbandes der saarländisches Kinder- und Jugendärzte.

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie als Weltentdecker unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

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