Durch die Anwendung von Cookies können wir Ihnen marktspezifische Informationen übermitteln. Wenn Sie diese Seite nutzen, akzeptieren Sie unsere Cookie-Richtlinien. Hier erfahren Sie mehr.
Durch die Anwendung von Cookies können wir Ihnen marktspezifische Informationen übermitteln. Wenn Sie diese Seite nutzen, akzeptieren Sie unsere Cookie-Richtlinien. Hier erfahren Sie mehr.

Brauereien im Portrait

Brauhaus Riegele

Brauhaus Riegele

Es ist schwer zu sagen, wo Craft Beer eigentlich genau anfängt. Oder auch wann. Schaut man sich zum Beispiel das Brauhaus Riegele an, dann wären da zur Auswahl: 1386, 1884 oder irgendwann um 2005 herum.

Seit 1386 gibt es in Augsburg eine Brauerei. Die gehört seit 1884 der Familie Riegele und heißt seitdem auch so: Brauhaus Riegele. Sie steht im Zentrum der Stadt und ist so etwas wie eine Institution. Gehört zu Augsburg. Seit eh und je. Um 2005 herum reisen der Seniorchef Dr. Sebastian Priller und sein Sohn Sebastian Priller-Riegele durch die USA und besuchen 36 Micro- oder eben auch Craft Breweries. Sie wollen verstehen, was die so machen. Was in Sachen Bier da gerade geschieht, so weit weg vom Bierland Deutschland. Und lange bevor es hier auch geschieht.

Die Augsburger sind mehr als begeistert. Nicht nur, dass die amerikanische Craft Beer-Bewegung herausragend gutes Bier hervorgebracht hat, nein: Ihnen, als Abkömmlinge einer alten, deutschen Brauerfamilie, als echten Biermenschen, wenn man so will, gefällt, wie die amerikanischen Craft Brewer das Produkt Bier mit dieser flüssigen Revolution aufwerten.

Riegele

Inspiriert und voller Tatendrang kehren sie nach Hause zurück und richten alsbald neben ihrer großen Brauerei eine deutlich kleinere Versuchsbrauerei ein, eine „Micro“, wie die Amerikaner sagen würden. Als Lechschwaben sagen die Priller-Riegeles das aber nicht, genauso wie sie auch den Begriff Craft Beer vermeiden, soweit das geht. Stattdessen sprechen sie von der Riegele Braumanufaktur und den dort entstehenden Brauspezialitäten.

Speziell sind die allemal: Das Simco 3 ist ein IPA mit drei Hopfensorten, Hallertauer Perle, Opal und dem amerikanischen Simcoe. Das Noctus 100 ist eine Art Imperial Stout, nachtschwarz und mit 10 % Vol, das Dulcis 12 nennen die Augsburger selbst eine “Süße Verführung” als honigaromatisches, belgisches Dubbel.

Für Sebastian Priller-Riegele, Junior-Brauerei-Chef und Ex-Unternehmensberater, sind die Brauspezialitäten eine Erweiterung des Portfolios, mit der er neue Zielgruppen erreichen kann. Nichtsdestotrotz bemüht er sich zu betonen, wie wichtig die Stammtischbesucher im Riegele-Wirtshaus direkt neben dem Augsburger Hauptbahnhof sind, die dort heute wie immer schon zufrieden ihr „Commerzienrat Riegele“ trinken. Eine Brauerei wie Riegele ist eben beides, Avantgarde und alte Garde in einem. Und das ist auch gut so. Denn wie gesagt: Es ist eigentlich kaum genau zu sagen, wo Craft wirklich anfängt.

Braufactum

Braufactum

Braufactum ist so etwas wie ein Dinosaurier der deutschen Craft Beer-Welt. Ein Urgestein. Super alt. In Craft Beer-Jahren, zumindest. Denn: Nächstes Jahr feiert das Unternehmen seinen zehnten Geburtstag!

Ein ganzes Jahrzehnt ist es her, dass Dr. Marc Rauschmann, als Braumeister und Brautechnologe bei der Radebergergruppe damals für Produktentwicklung und Rohstoffqualität zuständig, auf eine folgenreiche Bier-Weltreise ging. Er wollte erforschen, was anderswo, jenseits des deutschen Pilsglasrandes, biertechnisch möglich ist. Und er erkannte: Ziemlich viel! Ziemlich viel war damals schon in Sachen Craft Beer los, in England, Japan und natürlich den USA. In Deutschland hingegen? Nichts dergleichen. Zeit für den Start einer köstlichen Bierbewegung auch hierzulande.

Zurück in Frankfurt baute Marc Rauschmann mit seinem Team die Internationale Brau-Manufakturen GmbH auf und brachte schon wenig später die neun ersten Braufactum-Biere auf den damals noch ziemlich eintönigen, deutschen Biermarkt. Heute sind es 13 ständig verfügbare Sorten. Von Anfang an mit dabei: das Progusta. Ein sagenhaft ausgewogenes India Pale Ale (IPA), das erste in Deutschland verkaufte und ein „eye-opener“ für viele, die damals zwar noch wenig Ahnung hatten, was sich hinter „Ippa“ und „diesem Craft Zeug“ wirklich verbirgt, aber die doch Gefallen an guten und besonderen Bieren fanden.

Braufactum

Marc Rauschmann nennt dieses Bier heute ein „German IPA“: „Wir haben ganz bewusst nicht einfach ein amerikanisches Rezept kopiert. Wir haben sowohl mit dem amerikanischen Citra-Hopfen gearbeitet, als auch mit dem deutschen Hallertauer Mittelfrüh. Und wir haben diesem Bier, wie man an seiner kräftigen Farbe gut sieht, einen ausgeprägten Malz-Charakter gegeben – auch das macht es eher deutsch als amerikanisch.“

Der 51-jährige Braumeister bezeichnet sich selbst gern und mit einem Augenzwinkern als „Hop-Head“. Hopfen fasziniert ihn ganz besonders. Was da drinsteckt an unterschiedlichen Aromen, an Vielfalt, an überhaupt allem, was Bier so besonders macht! Jedes Jahr zur Erntezeit reist Rauschmann deshalb in Hopfenanbaugebiete – nicht zuletzt um bei der Ernte des Hallertauer Mittelfrüh dabei zu sein, aus dem dann, nur einmal im Jahr, das Progusta „Harvest Edition“ gebraut wird: ein German IPA mit knackfrischen, also nicht getrockneten und zu Pellets gepressten Hopfendolden – saftig grün im Geschmack und weit jenseits dessen, was die eher öde Bierlandschaft Deutschlands noch vor zehn Jahren in den Regalen hatte.

BrewDog

BrewDog

Man muss James Watt, dem energetischen Gründer der schottischen Brauerei BrewDog, nicht glauben, wenn er erzählt, dass er eigentlich nie Geschäftsmann und Unternehmer werden wollte. Dass sie doch eigentlich nur zwei Typen und ein Hund sind, er und Martin Dickie nämlich, gelernter Brauer und sein Kompagnon, die 2007 anfingen, auf dem Wochenmarkt in Aberdeen selbstgebrautes und von Hand abgefülltes Bier zu verkaufen. Und dass der brutale Erfolg von BrewDog alles in allem mehr so ein Versehen war.

Denn: Das ist eigentlich kaum zu glauben, schaut man sich die Erfolgsgeschichte des jungen Unternehmens an. Innerhalb eines einzigen Jahres hat James Watt BrewDog zur größten unabhängigen Brauerei Schottlands gemacht, nach fünf Jahren führte er das am schnellsten wachsenden Lebensmittelunternehmen Großbritanniens, nach acht Jahren im Geschäft verkauft er sein Bier in 55 Ländern der Erde. Heute hat BrewDog mehr als 1.000 Mitarbeiter und eine Braukapazität von 220.000 Hektoliter pro Jahr. Neben der stetig erweiterten Brauerei in Ellon, Schottland, betreibt BrewDog eine große Brauerei in Columbus, Ohio in den USA - und eine in Berlin. Im Frühling 2019 überraschten die Schotten mit der Nachricht, Stone Brewing Berlin, das Restaurant in Berlin-Mariendorf und die 100-Hektoliter Brauanlage dort, zu übernehmen. Seit dem Sommer werden nun jeweils in etwa zur Hälfte Stone und BrewDog Biere für den deutschen und europäischen Markt in Berlin gebraut.

Brewdog

James Watt, der irgendwann mal Jura studiert hat, damit aber nicht glücklich wurde, zeitweise auf einem Fischerboot gearbeitet hatte und schließlich mit Mitte Zwanzig ins Biergeschäft einstieg, hatte ganz ohne Frage immer den Mut, groß zu denken (was ja bekanntlich Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Gründerleben ist). Das Bier, mit dem BrewDog seinen Durchbruch hatte, mit dem die Marke berühmt wurde und das bis heute das „Signature“-Bier der Brauerei ist, ist das Punk IPA. Das trägt im Namen, was die DNA und entsprechend auch das Marketing von BrewDog prägt: Punk. Die Schotten haben keine Angst anzuecken, trauen sich auch mal krassere PR-Stunts. Als sie ihre erste Bar in Camden-London eröffneten, rollten sie mit einem Panzer zur Vorweihnachtszeit durch die Stadt.

Auf Twitter schrieb James Watt einmal: “Top business tips: Ignore advice. Love competition. Embrace chaos. Make enemies, gain fans. Go fast or go home. Passions drives everything.“

Dieser Typ wäre doch niemals mit einem gut laufenden Bierstand auf dem Wochenmarkt von Aberdeen allein zufrieden gewesen, der wollte doch immer schon mehr. Und geklappt hat’s ja auch.

Decade Of Dog

Insel-Brauerei

Insel-Brauerei

Zeitlos, ungewöhnlich, selten – so bezeichnet Markus Berberich, Braumeister und Gründer der Insel-Brauerei, seine selbst kreierten Biere. Seit 2015 werden bei den Rügener Hopfenexperten Genussbiere gebraut. Eine Besonderheit bei der Herstellung der Inselbiere ist die offene Gärmethode. Außerdem werden bei jedem Bier jeweils zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. In einer konventionellen Brauerei hingegen wird nur mit einer Hefe gebraut und das Bier gärt in riesengroßen Tanks. Auch bei der Reifung setzt die Insel-Brauerei auf eine traditionelle Methode: die Flaschenreifung.

Globus war zu Gast bei der Insel-Brauerei und hat einmal hinter die Kulissen geschaut. Erfahren Sie mehr.

Inselbrauerei
Inselbrauerei

Ratsherrn

Ratsherrn

Es war einmal eine alte, Hamburger Biermarke mit einem Mann im Rüschenkragen auf dem Etikett. Ratsherrn hieß die. 1951 hatte die Elbschloss-Brauerei die auf den Markt gebracht und jahrzehntelang unter diesem Namen Pils verkauft. Nichts anderes als nordisch-herbes Pilsener eben. Irgendwann war Ratsherrn einfach verschwunden, so wie viele alte Biermarken irgendwann einfach verschwanden. Schade, eigentlich.

Dennoch erinnerten sich freilich noch einige Hamburger und vereinzelt auch Biertrinker aus Schleswig-Holstein an dieses Bier, das Ratsherrn von früher. Und vielen anderen fiel es sofort wieder ein, als Ratsherrn plötzlich wieder auftauchte. 2005 hatten Fritz-Dieter und Oliver Nordmann die Rechte an der alten Biermarke gekauft.

Die beiden Getränkefachgroßhändler von der Nordmann Getränkegruppe aus Wildeshausen wollten die gute, alte Marke Ratsherrn eigentlich nur ein bisschen modernisieren und dann, auf Hochglanz poliert, wieder beleben. Als Hamburger Pilsmarke. Ein wohl kalkulierter Plan, er traf nämlich mitten in eine Marktlücke: Seit 2004 Holsten vom Carlsberg Konzern, von Dänen also, übernommen worden war, gab es keine echte Hamburger Pils-Brauerei mehr. Und irgendwie fanden es die Nordmänner ganz passend, für dieses echt Hamburger Bier eine echte und warum eben auch nicht gleich alte Hamburger Marke zu verwenden.

Ratsherrn

Doch dann ließen sie sich von der Vision eines Freundes überzeugen, einen Schritt weiter zu gehen. Das Timing war gut, die Zeit vielleicht noch nicht ganz reif, aber kurz davor: Lasst uns, schlug dieser Freund vor, Ratsherrn doch nicht zur Premiumpils- sondern zu einer Craft Beer-Marke werden!

Im Herzen Hamburgs, in den Schanzenhöfen, den früheren Viehhallen des alten Schlachthofs baute Nordmann eine stattliche Brauerei und direkt daneben auch gleich einen Laden, den Craft Beer Store und ein schickes, modernes Braugasthaus namens „Altes Mädchen“. Seit 2012 braut ein wachsendes Team aus Brauern und Braumeistern dort Bier, eher klassisch (Pilsener, Rotbier, Zwickel) aber auch ganz wild (Pale Ale, IPA, Sauerbier, Barrel-Aged - eigentlich alles, was geht, kreativ ohne Limit). Früh haben sie einen Craftfachmann aus den USA ins Boot geholt, Ian Pyle kam direkt von Samuel Adams in Boston in die Hamburger Schanze um außergewöhnliche Biere zu brauen.

Mit einer eigenen Pilsener-Serie feierten die Hamburger zuletzt ihre Wurzeln ganz laut, hopfig-herb und deutlich: Auf den Flaschen der New Era Pilsener trat der Mann mit dem Rauschekragen auch wieder in der Vordergrund, der sich bisher auf dem Rückenetikett hatte verstecken müssen. Das ist sie also wieder: Die alte Hamburger Biermarke. Fast wie früher, nur halt ganz anders.

Hopfen, Malz und Hamburg

Steamworks

Steamworks

Einmal ist Eli Gershkovitch mit einer Cessna 182 über den Atlantik geflogen. Über den Nordpol. Von Vancouver nach Glasgow. Zusammen mit seiner Frau, es waren ihre Flitterwochen. Eine Cessna 182 ist ein wirklich kleines Flugzeug. Einmotorig. So etwas geht gar nicht für Interkontinentalflüge. Eigentlich. Bis einer kommt und das Gegenteil beweist.

Genau so einer ist Eli Gershkovitch. Einer, für den es weder „eigentlich“ noch „geht nicht“ gibt. Als der Anwalt und Geschäftsmann 1995 die erste dampfbetriebene Brauerei Kanadas gründete, war das nicht anders: Bei der Besichtigung einer Location in Vancouvers „Gastown“ hat er den Einfall, dass sich mit Dampf aus den städtischen Dampfleitungen doch wunderbar ein Sudhaus betreiben ließe. Ein kleines, 12 Hektoliter, das Herzstück eines Brewpubs. Aber: Geht das denn? Eigentlich? Er probiert es aus. Und: es geht! So entsteht in der William Street Steamworks, eine der frühen und heute führenden Craft Breweries Kanadas.

In der William Street braut Gershkovitchs Team noch heute, allerdings längst nicht mehr nur: 2013 geht eine zweite, hochmoderne 50-Hl-Liter Brauerei in Vancouver an den Start (auch die wird mit Dampf betrieben, allerdings nicht aus den städtischen Leitungen) – und seit 2019 wird auch in Berlin Steamworks-Bier gebraut.

Steamworks

Eli Gershkovitch bemüht sich nämlich ganz zu Beginn schon, als die Idee von Craft Beer, von Ales und Bieren mit Gurke und Jasminblüte (das Jasmine IPA und das Killer Cucumber Ale von Steamworks sind aus guten Gründen die Topseller der Brauerei und auch diesseits des Atlantiks ein Renner) noch ganz, ganz neu hier sind, in Deutschland mit Steamworks Fuß zu fassen. Dabei kann er auf Unterstützung aus der Familie setzen, die Gershkovitches waren nämlich einst, in den 1930ern, aus Österreich nach Ottawa emigriert.

Herbert und Isabella Ottenschläger sind Nachfahren des dort verbliebenen Teils der Familie und sie leiten seit 2015 das Europa-Geschäft von Steamworks. Dabei stellen sie schnell fest: Handwerklich gebrautes, frisches Bier aus Vancouver nach Europa zu bringen, das ist irgendwie nicht ideal, das tut diesem Bier nicht gut. Frisch ist es, bis es hier ankommt, einfach nicht mehr, und oft passt es nicht einmal mehr wirklich zur Saison. Aus einer Kollaboration mit der Berliner Brauerei BRLO (eigentlich wollten sie nur ein Bier zusammen brauen, einen Sud, einmal), entsteht die Idee, Steamworks-Biere für den europäischen Markt in BRLOs zweitem Produktionsstandort, dem CraftZentrum Berlin zu brauen. Born in Canada, brewed in Berlin, wird die Losung.

Und wenn jemand bisher dachte, kanadische Biere in Berlin zu brauen, das geht doch eigentlich gar nicht, dann hat er Eli Gershkovitch noch nicht getroffen.

Stone Brewing

Stone Brewing

Dieser Dämon im Logo von Stone Brewing, das erklärt der Gründer Greg Koch immer und immer wieder, das ist gar keiner. Das ist ein Gargoyle. Und damit eher einer von den Guten. Auch wenn er auf den ersten Blick so ein bisschen düster und böse daherkommt.

Das passt so auch ganz gut zu Stone Brewing und Greg Koch selbst: Der spuckt schon auch gern mal laute Töne, schimpft über “yellow, fizzy beers” und meint damit alles, was nicht in seine Definition von Craft Beer passt, übt laut Kritik am deutschen Reinheitsgebot und überhaupt, wer nennt sein Bier schon “Arrogant Bastard” und traut sich Werbesprüche wie “It’s not too expensive, you’re too cheap!”?

Trotz oder vermutlich gerade mit dieser Attitüde hat Stone Brewing es unter die fünf größten Craft Brewer der USA geschafft. Stone ist eine Instanz, prägt etwa den Stil des West Coast IPA ganz entscheidend mit: Gigantische Mengen Hopfen, mächtig, bitter, in your face. Das ziehen sie bei Stone durch, ganz nach dem Motto: Sind die Biere zu stark, bist du zu schwach. Und dabei hat alles ganz klein angefangen: Greg Koch hatte sich, nachdem das mit dem ganz, ganz großen Durchbruch als Musiker, für den er aus Ohio nach L.A. gezogen war, doch nichts wurde, nach einer alternativen Karriere umgesehen. Er hat einen wachsenden Markt entdeckt, dazu bei sich selbst eine große Leidenschafts fürs Biertrinken – passt doch. Ende der Neunziger legt er los.

Stone Brewing

Um 2010 beginnt Greg Koch sich mehr und mehr für den europäischen Markt zu interessieren. Besonders Deutschland hält er für einen „Sleeping Giant“ und er beschließt, eine große 100-Hektoliter-Brauerei plus Gastronomie im Süden Berlins aufzubauen. Er setzt sich bereitwillig an die Spitze der deutschen Craft Beer-Bewegung und scheut keine Konflikte. So will er zum Beispiel die Dose als Bierverpackung von ihrem schlechten Image befreien (in seinen Augen die beste aller Bierverpackungen, weil sie, gerade hopfenbetonte Biere, ohne Licht und Luft frischer hält als Flaschen und unendlich recyclet werden kann).

Er bringt amerikanisches Craft Beer nach Deutschland - aber eben nicht nur das, er bzw. sein Berliner Braumeister Thomas Tyrell nimmt sich auch (alter) deutschen Bierstile an: So bringt Stone Brewing 2017 etwa mit “Ghost” eine frisch-saure, beschwingende Berliner Weisse auf den Markt.

2019 übergibt er die Brauerei und das Restaurant an BrewDog, die dort aber weiterhin Stone Biere für den Europäischen Markt brauen. Am Ende also gewinnen die Guten: Gutes Bier für das Bierland Deutschland.

Wolfscraft

Wolfscraft

Wein hatte es vielleicht ein bisschen schwerer. „Bio“ war hier viel zu lange geradezu ein Makel. Bio-Wein? Bah, das schmeckt doch nicht! Vorbei ist diese Zeit natürlich längst. Und auch bei Bier ist Bio mittlerweile etwas Feines – mit nach wie vor großem Seltenheitswert.

Für den Italiener Cemal Cattaneo und den Franken Manfred Jus war das aber von Anfang an gesetzt. Bio sollte ihr Bier sein. Nur: Was für Bier es sein sollte, das mussten sie erst herausfinden. Als die Idee zum eigenen Craft Beer Label namens Wolfscraft an einem Bartresen geboren wurde, wo das Bier fad und langweilig schmeckte, war der erste Gedanke freilich, besonders andersartige Biere zu brauen. Biere, die es so auf dem deutschen Markt (damals) eben nicht oder noch nicht genügend gab: IPAs, hopfenharte Pale Ales und so weiter. Doch während der Entwicklungsphase dämmerte es den Männern immer mehr: Warum eigentlich? Was ist denn überhaupt so falsch an den klassischen, deutschen Bierstilen?

Nichts doch eigentlich. Außer, dass sie viel zu oft uninspiriert und fade einfach so runtergebraut werden. Da könnte man doch ansetzen: „Wieso machen wir also nicht einfach ein Pils, dass besonders schmeckt?“, haben sie sich gefragt, erzählt Cattaneo.

Wolfscraft

Beide, Cemal Cattaneo und Manfred Jus, sind bzw. waren eigentlich in der Spirituosen-Branche tätig, Brauwesen haben sie nicht studiert, aber Heimbrauer sind sie. Und Bierversteher. Als sie Wolfscraft gründeten, mieteten sie sich als „Gypsie“-Brauer in der Schloßbrauerei Stein in der Nähe des Chiemsee ein, um Bier zu brauen. Die dortigen Braumeister unterstützten das Vorhaben der beiden, deutsche Biere besser zu brauen von Anfang an, und seien, so Cattaneo, seit jeher Teil der Wolfscraft-Familie.

Die Rezepte zu Bieren wie ihrem Hellen oder auch ihrem Alkohlfreien entwickeln sie aber stets selbst. Ganz besonders stolz sind sie auf das Wolfscraft Export: „Das Export war einst das Aushängeschild des deutschen Bierhandwerks, ist aber mittlerweile imagemäßig zu einem Billigbier verkommen.“ Und genau darum geht es ihnen: Deutsche Bier- und Brautradition hochhalten, sie nicht in Vergessen- oder Verkommenheit geraten lassen.

Für Bio gibt es in den Augen der Quereinstiegsbrauer nur gute Gründe, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist nur die eine Seite, auf der anderen sehen sie auch geschmackliche Vorteile. Bio schmeckt besser, davon sind Cattaneo und Jus überzeugt. Auch beim Bier.