Brauereien im Portrait

BrewDog

BrewDog

Man muss James Watt, dem energetischen Gründer der schottischen Brauerei BrewDog, nicht glauben, wenn er erzählt, dass er eigentlich nie Geschäftsmann und Unternehmer werden wollte. Dass sie doch eigentlich nur zwei Typen und ein Hund sind, er und Martin Dickie nämlich, gelernter Brauer und sein Kompagnon, die 2007 anfingen, auf dem Wochenmarkt in Aberdeen selbstgebrautes und von Hand abgefülltes Bier zu verkaufen. Und dass der brutale Erfolg von BrewDog alles in allem mehr so ein Versehen war.

Denn: Das ist eigentlich kaum zu glauben, schaut man sich die Erfolgsgeschichte des jungen Unternehmens an. Innerhalb eines einzigen Jahres hat James Watt BrewDog zur größten unabhängigen Brauerei Schottlands gemacht, nach fünf Jahren führte er das am schnellsten wachsenden Lebensmittelunternehmen Großbritanniens, nach acht Jahren im Geschäft verkauft er sein Bier in 55 Ländern der Erde. Heute hat BrewDog mehr als 1.000 Mitarbeiter und eine Braukapazität von 220.000 Hektoliter pro Jahr. Neben der stetig erweiterten Brauerei in Ellon, Schottland, betreibt BrewDog eine große Brauerei in Columbus, Ohio in den USA - und eine in Berlin. Im Frühling 2019 überraschten die Schotten mit der Nachricht, Stone Brewing Berlin, das Restaurant in Berlin-Mariendorf und die 100-Hektoliter Brauanlage dort, zu übernehmen. Seit dem Sommer werden nun jeweils in etwa zur Hälfte Stone und BrewDog Biere für den deutschen und europäischen Markt in Berlin gebraut.

James Watt, der irgendwann mal Jura studiert hat, damit aber nicht glücklich wurde, zeitweise auf einem Fischerboot gearbeitet hatte und schließlich mit Mitte Zwanzig ins Biergeschäft einstieg, hatte ganz ohne Frage immer den Mut, groß zu denken (was ja bekanntlich Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Gründerleben ist). Das Bier, mit dem BrewDog seinen Durchbruch hatte, mit dem die Marke berühmt wurde und das bis heute das „Signature“-Bier der Brauerei ist, ist das Punk IPA. Das trägt im Namen, was die DNA und entsprechend auch das Marketing von BrewDog prägt: Punk. Die Schotten haben keine Angst anzuecken, trauen sich auch mal krassere PR-Stunts. Als sie ihre erste Bar in Camden-London eröffneten, rollten sie mit einem Panzer zur Vorweihnachtszeit durch die Stadt.

Auf Twitter schrieb James Watt einmal: “Top business tips: Ignore advice. Love competition. Embrace chaos. Make enemies, gain fans. Go fast or go home. Passions drives everything.“

Dieser Typ wäre doch niemals mit einem gut laufenden Bierstand auf dem Wochenmarkt von Aberdeen allein zufrieden gewesen, der wollte doch immer schon mehr. Und geklappt hat’s ja auch.

Decade Of Dog

Insel-Brauerei

Insel-Brauerei

Zeitlos, ungewöhnlich, selten – so bezeichnet Markus Berberich, Braumeister und Gründer der Insel-Brauerei, seine selbst kreierten Biere. Seit 2015 werden bei den Rügener Hopfenexperten Genussbiere gebraut. Eine Besonderheit bei der Herstellung der Inselbiere ist die offene Gärmethode. Außerdem werden bei jedem Bier jeweils zwei unterschiedliche Hefen eingesetzt. In einer konventionellen Brauerei hingegen wird nur mit einer Hefe gebraut und das Bier gärt in riesengroßen Tanks. Auch bei der Reifung setzt die Insel-Brauerei auf eine traditionelle Methode: die Flaschenreifung.

Globus war zu Gast bei der Insel-Brauerei und hat einmal hinter die Kulissen geschaut. Erfahre mehr über die Biere von der Ostsee.

Inselbrauerei Überseehopfen – India Pale Ale

Schon probiert?

Überseehopfen – India Pale Ale

Intensiv fruchtig, zugleich trocken und knackig herb. Der japanische Hopfen sorgt für einen schönen Duft nach Kokos, Litschi und Zitronengras. Ein IPA im besten Sinne – single hop, ursprünglich und überraschend.

Passt gut zu: Meeresfrüchten, pikanter, asiatischer Küche und Curries.

Inselbrauerei
Inselbrauerei
Inselbrauerei

Stone Brewing

Stone Brewing

Dieser Dämon im Logo von Stone Brewing, das erklärt der Gründer Greg Koch immer und immer wieder, das ist gar keiner. Das ist ein Gargoyle. Und damit eher einer von den Guten. Auch wenn er auf den ersten Blick so ein bisschen düster und böse daherkommt.

Das passt so auch ganz gut zu Stone Brewing und Greg Koch selbst: Der spuckt schon auch gern mal laute Töne, schimpft über “yellow, fizzy beers” und meint damit alles, was nicht in seine Definition von Craft Beer passt, übt laut Kritik am deutschen Reinheitsgebot und überhaupt, wer nennt sein Bier schon “Arrogant Bastard” und traut sich Werbesprüche wie “It’s not too expensive, you’re too cheap!”?

Trotz oder vermutlich gerade mit dieser Attitüde hat Stone Brewing es unter die fünf größten Craft Brewer der USA geschafft. Stone ist eine Instanz, prägt etwa den Stil des West Coast IPA ganz entscheidend mit: Gigantische Mengen Hopfen, mächtig, bitter, in your face. Das ziehen sie bei Stone durch, ganz nach dem Motto: Sind die Biere zu stark, bist du zu schwach. Und dabei hat alles ganz klein angefangen: Greg Koch hatte sich, nachdem das mit dem ganz, ganz großen Durchbruch als Musiker, für den er aus Ohio nach L.A. gezogen war, doch nichts wurde, nach einer alternativen Karriere umgesehen. Er hat einen wachsenden Markt entdeckt, dazu bei sich selbst eine große Leidenschafts fürs Biertrinken – passt doch. Ende der Neunziger legt er los.

Stone Brewing

Um 2010 beginnt Greg Koch sich mehr und mehr für den europäischen Markt zu interessieren. Besonders Deutschland hält er für einen „Sleeping Giant“ und er beschließt, eine große 100-Hektoliter-Brauerei plus Gastronomie im Süden Berlins aufzubauen. Er setzt sich bereitwillig an die Spitze der deutschen Craft Beer-Bewegung und scheut keine Konflikte. So will er zum Beispiel die Dose als Bierverpackung von ihrem schlechten Image befreien (in seinen Augen die beste aller Bierverpackungen, weil sie, gerade hopfenbetonte Biere, ohne Licht und Luft frischer hält als Flaschen und unendlich recyclet werden kann).

Er bringt amerikanisches Craft Beer nach Deutschland - aber eben nicht nur das, er bzw. sein Berliner Braumeister Thomas Tyrell nimmt sich auch (alter) deutschen Bierstile an: So bringt Stone Brewing 2017 etwa mit “Ghost” eine frisch-saure, beschwingende Berliner Weisse auf den Markt.

2019 übergibt er die Brauerei und das Restaurant an BrewDog, die dort aber weiterhin Stone Biere für den Europäischen Markt brauen. Am Ende also gewinnen die Guten: Gutes Bier für das Bierland Deutschland.

Wolfscraft

Wolfscraft

Wein hatte es vielleicht ein bisschen schwerer. „Bio“ war hier viel zu lange geradezu ein Makel. Bio-Wein? Bah, das schmeckt doch nicht! Vorbei ist diese Zeit natürlich längst. Und auch bei Bier ist Bio mittlerweile etwas Feines – mit nach wie vor großem Seltenheitswert.

Für den Italiener Cemal Cattaneo und den Franken Manfred Jus war das aber von Anfang an gesetzt. Bio sollte ihr Bier sein. Nur: Was für Bier es sein sollte, das mussten sie erst herausfinden. Als die Idee zum eigenen Craft Beer Label namens Wolfscraft an einem Bartresen geboren wurde, wo das Bier fad und langweilig schmeckte, war der erste Gedanke freilich, besonders andersartige Biere zu brauen. Biere, die es so auf dem deutschen Markt (damals) eben nicht oder noch nicht genügend gab: IPAs, hopfenharte Pale Ales und so weiter. Doch während der Entwicklungsphase dämmerte es den Männern immer mehr: Warum eigentlich? Was ist denn überhaupt so falsch an den klassischen, deutschen Bierstilen?

Nichts doch eigentlich. Außer, dass sie viel zu oft uninspiriert und fade einfach so runtergebraut werden. Da könnte man doch ansetzen: „Wieso machen wir also nicht einfach ein Pils, dass besonders schmeckt?“, haben sie sich gefragt, erzählt Cattaneo.

Beide, Cemal Cattaneo und Manfred Jus, sind bzw. waren eigentlich in der Spirituosen-Branche tätig, Brauwesen haben sie nicht studiert, aber Heimbrauer sind sie. Und Bierversteher. Als sie Wolfscraft gründeten, mieteten sie sich als „Gypsie“-Brauer in der Schloßbrauerei Stein in der Nähe des Chiemsee ein, um Bier zu brauen. Die dortigen Braumeister unterstützten das Vorhaben der beiden, deutsche Biere besser zu brauen von Anfang an, und seien, so Cattaneo, seit jeher Teil der Wolfscraft-Familie.

Die Rezepte zu Bieren wie ihrem Hellen oder auch ihrem Alkohlfreien entwickeln sie aber stets selbst. Ganz besonders stolz sind sie auf das Wolfscraft Export: „Das Export war einst das Aushängeschild des deutschen Bierhandwerks, ist aber mittlerweile imagemäßig zu einem Billigbier verkommen.“ Und genau darum geht es ihnen: Deutsche Bier- und Brautradition hochhalten, sie nicht in Vergessen- oder Verkommenheit geraten lassen.

Für Bio gibt es in den Augen der Quereinstiegsbrauer nur gute Gründe, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist nur die eine Seite, auf der anderen sehen sie auch geschmackliche Vorteile. Bio schmeckt besser, davon sind Cattaneo und Jus überzeugt. Auch beim Bier.

Wolfscraft das Helle! BIO

Wolfscraft das Helle! BIO

Das Wolfscraft das Helle! trumpft als klassisches, frisch-fruchtiges und sehr süffiges Helles groß auf. In Bayern mit bestem Alpenquellwasser und deutschem Aromahopfen gebraut, wird die Hommage an die Heimat mit sanften Bitternoten und einem entspannten Alkoholgehalt von 4,9 vol. % schnell zu deinem Lieblingsbier. Außerdem der perfekte Begleiter zu frischen und leichten Speisen.

Wolfscraft brutal Alkoholfrei

Wolfscraft brutal Alkoholfrei

Für ihr erstes alkoholfreies Bier haben die Wolfscraft-Jungs lange experimentiert. Zwar sollte die Kreation zwar ohne Umdrehungen, aber natürlich mit ordentlich Charakter ausgestattet sein. Durch Zugabe von „Unmengen“ von aromatischem Bio-Hopfen haben sie es tatsächlich geschafft: Ein brutales Lagerbier: alkoholfrei – aber trotzdem fruchtig und hopfig wie ein Craftbier.