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DR. MED. HAGEN REICHERT

Kinder- und Jugendarzt in Homburg/Saar und Dozent für Pädiatrie an der Universität des Saarlandes.

Windeldermatitis

Der rote Po des Säuglings und des Kleinkindes

Hautrötungen, Brennen, Jucken: Eine Windeldermatitis kann für Wickelkinder sehr unangenehm sein. Kinderarzt Dr. med. Hagen Reichert fasst zusammen, wie Eltern die Erkrankung behandeln und im Idealfall frühzeitig vorbeugen.

Jeder, der ein Kind großgezogen hat, kennt ihn: Den roten Po bei Säuglingen und Kleinkindern. Oft ist sogar der gesamte Windelbereich betroffen, ebenso wie der Genitalbereich. Eine zwar nicht gefährliche, aber ärgerliche und für die Kinder sehr unangenehme Erkrankung. Das Pipimachen tut weh, weil der Urin die entzündete Haut reizt, und der Stuhlgang kann, wenn die Windel nicht sofort gewechselt wird, die Sache noch verschlimmern.

Ein Baby in einer Windel krabbelt

Wie kommt es zur Windeldermatitis und wie äußert sie sich?

Nun, die Haut des Säuglings ist von vorneherein schon zart und empfindlich und dann ist sie in der Windel erheblichen Belastungen ausgesetzt. Die Windel selbst setzt zunächst einmal einen physikalischen (mechanischen) Reiz: Sie scheuert! Dann kommt die chemische Belastung dazu: Säuren aus dem Urin und ammoniakalische Zerfallsprodukte des Urins sind aggressive Substanzen, die der Haut erheblich zusetzen. Der Kot in der Windel tut sein Übriges dazu, insbesondere, wenn die Windel nach dem Stuhlgang nicht sofort gewechselt wird. Dazu kommen in Einzelfällen noch spezielle Ursachen: Als Kinderarzt weiß man, dass in Zahnungsphasen, bei Einführung der Beikost und insbesondere bei Durchfallerkrankungen ein besonderes Risiko für die Entwicklung einer Windeldermatitis besteht.

Die Erkrankung beginnt mit geröteter, aber noch intakter Haut. Das Kind fühlt sich unwohl, die Haut brennt und juckt. Wird jetzt nicht sofort gegengesteuert, bilden sich pickel- und pustelartige Hautveränderungen. Im schlimmsten Stadium bilden sich dann offene, nässende Stellen, die den ganzen Po erfassen können.

Die so strapazierte und in ihrer Funktion als Barriere gestörte Haut ist allzu schnell mit Pilzen infiziert, in der Regel handelt es sich hier um „Candida albicans“, einen Hefepilz. So wird meist schon sehr früh aus der „Windeldermatitis“, der geröteten und entzündeten Haut, ein „Windelsoor“, eine Pilzinfektion der Haut.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, auf die „Pilz-Phobie“ mancher Eltern einzugehen. Ganz klar: Niemand will den „Windel-Pilz“ bagatellisieren. Eine unangenehme bis schmerzhafte Erkrankung, die – wenn sie nicht absolut konsequent behandelt wird – zu katastrophalen Hautbildern führen kann. Aber andererseits: Wenn ich ein gesundes und quicklebendiges Kind vor mir habe, das eben nur diesen Windelpilz hat, besteht kein Grund zu größerer Sorge. Der sorgfältige Kinderarzt wird dem Kind noch in den Mund schauen, weil gar nicht so selten der Windelpilz mit einem „Mundsoor“, einem Pilzbefall der Mundschleimhaut einhergeht. Und wenn ein Kind diese Erkrankung immer wieder und in besonders schlimmer Ausprägung bekommt, wird er sich auch Gedanken um die Immunität des Kindes machen.

Wenn das Kind gesund ist und weder durch gehäuftes Auftreten von Windeldermatitis noch durch häufige und schwer verlaufende Allgemeininfektionen auffällt, dann darf es auch mal Candida im Stuhl haben. Das regt uns an dieser Stelle nicht weiter auf.

Windel wechseln bei einem Baby

Wie können Eltern vorbeugen und im Falle des Falles behandeln?

Mein wichtigster Rat an dieser Stelle ist: Benutzen Sie Feuchttücher nur „im äußersten Notfall“ (unterwegs auf Reisen zum Beispiel). Nach meiner Erfahrung gibt es kaum einen besseren Weg, eine Windeldermatitis zu provozieren, als mit Feuchttüchern.

Damit ist der Rat Nummer zwei vorweggenommen: Die Windel so oft wie möglich wechseln. Ich rate, dies routinemäßig spätestens nach zwei bis drei Stunden zu tun. Rat Nummer drei: Beim Windelwechseln sollte der Anal- und Genitalbereich des Kindes sorgfältig und schonend gereinigt und getrocknet werden. Entweder feucht, durch Waschen oder Baden mit anschließendem sorgfältigem Trocknen, oder mittels simpler Kosmetiktücher aus der Box, die mit ein paar Tropfen Baby-Öl „imprägniert“ werden.

Das Baden selbst wird sehr unterschiedlich gesehen: In den „offiziellen“ Empfehlungen heißt es meist, ein Säugling sollte nur zwei- oder maximal dreimal pro Woche gebadet werden. Als langjähriger Stationsarzt einer Kinderstation muss ich sagen: Auf meiner Station wurden die Säuglinge täglich gebadet und wir hatten auch keine höhere Rate an „roten Popos“. Ich denke, die Tatsache einer guten Pflege ist hier viel entscheidender als die Badefrequenz…

Rat Nummer vier: Lassen Sie das Kind regelmäßig „frei“ (ohne Windel) strampeln, lassen Sie Luft an die Haut. Und Rat Nummer fünf: Eine zinkhaltige Wundschutzcreme ist auch was Gutes: Sie deckt ab und hält alle die vorgenannten Reize zumindest teilweise von der Haut fern. Das Pudern des Säuglingspopos sehe ich persönlich eher kritisch, ich würde die Wundschutzcreme immer bevorzugen.

Kommt es trotz all der genannten Maßnahmen doch zu einer Windeldermatitis, sollte man von vorneherein konsequent behandeln. Mag es am Anfang noch reichen, die Windel oft zu wechseln und eine Wundschutzcreme aufzutragen, so sollte man bei deutlich ausgeprägten oder flächigen Rötungen gleich zu einem pilzhemmenden (antimykotischen) Präparat greifen. Hier stehen zwei Wirkstoffe zur Verfügung, Nystatin und Miconazol. Für den Hausgebrauch sollten Nystatin-haltige Präparate erst mal reichen, kommt es aber nicht zu einer sichtbaren Verbesserung, sollte man dann auf Miconazol wechseln. Für Nystatin sind leider schon einige Resistenzen bekannt, die man in der Regel mit Miconazol aber erwischt. Für beide Wirkstoffe stehen Präparationen auf Zinksalben-Basis zur Verfügung, so dass man dann die Wundschutzcreme und die Pilzcreme in einer Tube hat. An dieser Stelle ein Tipp der altgedienten Kinderkrankenschwestern auf meiner langjährigen Station: Wenn sie die Pilzcreme mit einer Dexpanthenol-haltigen Wund- und Heilsalbe vermischen (den Namen dieser Creme kennt so gut wie jeder…), wird der Heilerfolg noch besser. Drücken Sie einfach aus beiden Tuben eine kleine Portion auf ein Untertellerchen aus Ihrer Küche, vermengen Sie die beiden Salben mit dem Finger und tragen Sie die Mischung auf.

Bei sehr gereizter oder schon nässender Haut sind Sitzbäder in Schwarztee sehr wohltuend, er hat eine leicht gerbende und juckreizstillende Wirkung. Die gleiche angenehme Wirkung haben diese Bäder übrigens auch bei Kindern mit Neurodermitis (atopische Dermatitis). Farbstoffpinselungen (Eosin) sollten extremen Fällen vorbehalten bleiben, offen gesagt: So weit sollte es eigentlich gar nicht kommen!

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. MED. HAGEN REICHERT

Dr. Reichert ist Arzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Kinderkardiologie in Homburg/Saar und Dozent für Pädiatrie an der Universität des Saarlandes. Nach langjähriger Tätigkeit in der Giftnotrufzentrale des UKS Homburg war er 12 Jahre lang Obmann der Notdienstpraxis für Kinder und Jugendliche in Homburg. Er besitzt die Fachkunde „Arzt im Rettungsdienst“ und ist neben seiner Praxistätigkeit regelmäßig als Vertragsarzt für das Regional Health Command der United States Army in Landstuhl und als Reservearzt im Rang eines Oberfeldarztes im Sanitätsdienst der Bundeswehr tätig.

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie als Weltentdecker unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

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