Mehr Respekt fürs Insekt

Kleine Tiere, die Großes leisten

Sie sorgen für wachsende Pflanzen, dienen anderen Tieren selbst als Nahrungsquelle und halten unsere Natur im Gleichgewicht: Insekten sind enorm wichtig, aber es werden immer weniger. mio zeigt, wie Sie den kleinen Nützlingen einen geeigneten Lebensraum im Garten und auf dem Balkon bieten können.

Es kommt nicht immer auf die Größe an! Insekten sind das perfekte Beispiel, wie wichtig die kleinsten unter den Tieren für unsere Natur sind. Denn ohne Bienen, Käfer und Schmetterlinge sähe unsere Welt dramatisch anders aus. Sage und schreibe 75 Prozent aller Pflanzen sind nämlich auf die Bestäubung der kriechenden, krabbelnden und summenden Helferlein angewiesen. Ohne sie könnten wir weder Obst und Gemüse genießen, noch Fleisch und Milch produzieren oder uns in Naturtextilien kleiden. Kurzum: Wir würden wohl Hunger leiden, womöglich sehr frieren und unsere Welt wäre – wenn überhaupt existent – sehr karg und trostlos anzusehen.

Und doch wird den kleinen großen Helden oft nicht die Wertschätzung entgegengebracht, die sie verdienen. Gerade im Sommer, wenn es überall summt, krabbelt und schwirrt, werden Insekten eher als Störenfriede wahrgenommen und zertreten, vergiftet und in Fallen gelockt. Das kann dramatische Folgen für unser Ökosystem haben.

Schmetterling

Auf globaler Ebene gehen viele Arten wie Bienen oder Schmetterlinge sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Vielfalt zurück.

Bestände gehen drastisch zurück

„Weit mehr als die Hälfte aller Tierarten sind Insekten. Millionen an Arten bevölkern unsere Erde. Doch seit Jahrzehnten gehen Insektenarten und ihre Bestände massiv zurück“, schlägt der Naturschutzbund (Nabu) Alarm. Denn ihre Rolle für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und das menschliche Wohlergehen ist unersetzlich. Auf globaler Ebene gehen viele Arten wie Bienen oder Schmetterlinge sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Vielfalt zurück. Die Bestände unserer heimischen Insekten sind in den vergangenen 15 Jahren sogar um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.

Der Grund: Durch die zunehmende industrielle Landwirtschaft verschwinden Nahrungsquellen und Nistplätze für die Tiere. Immer mehr Pestizide werden eingesetzt, um die Ernte vor Schädlingen zu schützen und blütenarme Monokulturen sorgen für Ernährungsengpässe der Sechsbeiner. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Vorgärten in Steinwüsten verwandeln. Vor allem in hoch-industrialisierten Regionen wie Europa weisen die Populationen von Schmetterlingen und Wildbienen Bestandsrückgänge von mehr als 30 Prozent auf. Bei uns in Deutschland sieht die Situation für Wildbienen noch dramatischer aus: „Von den 560 hier nachgewiesenen Arten sind über 50 Prozent bestandsgefährdet. Nahezu fünf Prozent sind sogar vom Aussterben bedroht“, erklärt der Nabu. Was Sie tun können, um dem entgegenzuwirken, verraten wir weiter unten.

Wie war das nochmal mit den Bienchen und den Blümchen?

Das Wort Frucht kommt von Befruchtung. Es braucht dafür die Insekten, die Blütenpflanzen aufsuchen, um Nektar und Pollen zu sammeln. Letztere bleiben an den Tieren hängen, werden zur nächsten Blüte transportiert und bestäuben sie. Auf diese Art wird die Fortpflanzung von weltweit etwa 88 Prozent aller Pflanzen sichergestellt. „Es gibt zwar auch andere Tiere wie Fledermäuse, Vögel oder Reptilien, die zur Pflanzenbestäubung beitragen – doch Insekten spielen die entscheidende Rolle“, betont der Nabu. Insbesondere Wild- und Honigbienen, Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Käfer leisten diese wichtige Arbeit.

Denn ohne sie gäbe es neben der Pflanzenvielfalt auch keine Früchte. Ohne Pflanzen und Früchte fehlte die Nahrung für zahlreiche Tiere, die sich auch vielfach von Insekten ernähren. Und ohne Tiere gäbe es weder Fleisch noch Milch oder Wolle. Neben dem Erhalt der tierischen Erdenbewohner steht also auch das menschliche Wohlergehen auf der Kippe. Denn die Versorgung mit Proteinen, Vitaminen und Eisen ist durch das Insektensterben massiv gefährdet. „Von den 107 weltweit am häufigsten angebauten Kulturpflanzen werden 91 in unterschiedlichem Ausmaß bestäubt. Schätzungen zufolge würde ein Totalverlust an Bestäubern dazu führen, dass Ernteeinbrüche um bis zu 90 Prozent zu befürchten wären“, rechnet der Nabu vor. Außerdem fehlte uns die natürliche „Müllabfuhr“, weil Insekten totes Holz und Kot verwerten, sowie die wertvolle Arbeit von Käfern und Ameisen, die unseren Boden fruchtbarer machen.

Biene
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Nahrung für den Menschen? Unter anderem erachtet die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UNO den Verzehr von gezüchteten Insekten als zukunftsreiche Lösung auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Ernährung weltweit.

Noch mehr Zahlen gefällig?

500 Blattläuse… frisst eine einzige Florfliegenlarve während ihrer Entwicklung. 120 Larven sollen rund 20 Quadratmeter Gewächshausfläche von Läusen freihalten können.

20.000 Insekten… verfüttert ein Mauersegler-Vogelpärchen täglich an seine Jungtiere. Das entspricht einer Menge von etwa 50 Gramm Insekten.

500 Milliarden Euro… beträgt der jährliche Marktwert, der durch die Produktion bestäuberabhängiger Kulturpflanzen erzielt wird, Tendenz steigend.

So machen Sie Ihren Garten und Balkon insektenfreundlich

Ein Dorado für Insekten zu schaffen, ist nicht schwierig. Mit wenig Aufwand schaffen Sie wertvollen Lebensraum für die kleinen Bewohner. Balkonbesitzer können eine Nisthilfe aufhängen oder Töpfe mit Insektenpflanzen aufstellen. Und davon profitieren nicht nur die Tiere! Die kleinen Nützlinge helfen nämlich bei der Bekämpfung von Schädlingen und halten die Pflanzen gesund.

Wilde Ecken: Lassen Sie im Garten einfach eine wilde Ecke stehen, die weder gemäht noch betreten wird. Gräser, Brennnesseln und Klee sind für viele Insekten überlebenswichtig.

Frühblüher: Enthält Ihr Garten oder Balkon Schneeglöckchen, Krokusse oder Narzissen? Perfekt! Denn dank der Frühblüher bekommen auch früh fliegende Insekten ausreichend Nahrung.

Wildblumenbeet: Einfach anzulegen, zu pflegen und besonders langlebig – schon ein kleiner Streifen Wildblumen hilft den Tierchen. Sie müssen die Stauden nur einmal im Jahr, bestenfalls Anfang Mai zurückschneiden. Das lässt den Insekten, die in den Halmen der Wildblumen überwintert haben, genug Zeit zu schlüpfen.

Felssteine und Totholzstapel: Ritzen und Fugen bieten Rückzugs- und Brutmöglichkeiten für kleine Krabbler. Legen Sie Wege lieber aus Kies oder Platten mit Fugen an, statt aus Beton und Asphalt.

Trinkstellen: Kleine Wasserquellen dienen als Durstlöscher und ziehen weitere Tiere an. Füllen Sie eine Schale mit Wasser sowie Murmeln oder Steinen, damit die Sechsbeiner leicht wieder hinauskrabbeln können.

Bitte giftlos: Pestizide töten Insekten und sorgen dafür, dass sie auch zum Giftcocktail für ihre natürlichen Fressfeinde werden.

Zwei Pflanztöpfe, die Insekten schmecken:

Für einen Stellplatz in der Sonne: Thymian, Hornklee, Wiesensalbei

Für einen Stellplatz im Schatten: Gundermann, Katzenminze, wilde Malve

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Wichtig ist, keine gefüllten Blüten und züchterisch veränderte Sorten zu pflanzen, denn darin finden Insekten weder Pollen noch Nektar. Achten Sie also darauf, beim Kauf nur blühende Pflanzen auszuwählen und von Frühling bis Herbst Blühendes für die kleinen Krabbler bereitzustellen.

Bildnachweis: Unsplash: Mauro Tandoi,Dan Freeman,Seen

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