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Helles und Co.: Oldies, but Goldies (im wahrsten Sinne des Worte)!

Wir haben in den vergangenen Jahren, seit die Craft Beer Bewegung auch hierzulande Schwung ins Bierregal bringt, viel über Bier gelernt. Vor allem, dass Bier nicht gleich Bier ist. Dass es unzählige spannende und kreuzverschiedene Sorten gibt. Saure, herbe, fruchtige, schokoladige. Und wir wissen nun, dass Bier in allen Farben daher kommen kann, von hellgelb bis nachtschwarz.

Trotzdem: Das Bild, das uns als Erstes in den Sinn kommt, wenn wir das Wort „Bier“ hören, ist ein goldenes, klares Getränk mit einer flauschigen, dicken Schaumkrone oben drauf. Ein Bier, das uns geradezu „Prosit!“ ins Gesicht rufen will. Denk ich an deutsches Bier in der Nacht (oder am Tag oder wann auch immer), denk ich an Helles.

Biergläser

Das Helle oder eigentlich sämtliche Lager-Biere prägten die deutsche Bierlandschaft der letzten 150 Jahre. Länger tatsächlich nicht, denn auch wenn schon Hildegard von Bingen und ihre Vorfahrinnen gerne deutsche Biere tranken, waren das nie Lagerbiere.

Lagerbiere, und dazu zählen das Helle ebenso wie das Märzen (auch bekannt als „Oktoberfestbier“), das Export und eigentlich auch das Pils, sind untergärige Bierstile. Untergärig bedeutet: Hier ist eine Hefe-Art bei der Gärung am Werk, die es am Liebsten eher kalt hat. Sie arbeitet bei Temperaturen um 4 Grad Celsius auf Hochtouren. Ist sie mit ihrer Arbeit fertig, wenn sie also den vergärbaren Zucker aus der Würze in Alkohol und Kohlendioxyd verwandelt und damit aus einer Brotsuppe Bier gemacht hat (recht schönen Dank auch dafür, liebe Hefe! ??), „fällt sie nach unten aus“, wie der Brauer sagt. Sie setzt sich als schleimiges Etwas am Boden den Gärtanks ab. Deshalb nennt man sie auch untergärig.

Im Grunde lassen sich damit alle Bierstile der Welt in zwei Gruppen einteilen: Ales versus Lager (wie man es im Angelsächsischen bevorzugt auszudrücken). Oder: Untergärig versus Obergärig. (Und dann gibt es natürlich noch die Mischvergorenen, aber die lassen wir mal außen vor.)

Die Untergärigen haben die deutsche Bierwelt gegen Ende des 19.Jahrhundert erobert. Einfach, weil sie es ab da erst konnten. Eine technische Neuerung war nämlich nötig: Um 1870 entwickelte der Erfinder und Urvater des Kühlschranks Carl von Linde eine Kältemaschine für Brauereien. Erst Dank dieses kühltechnischen Verfahrens war es möglich, Gärkeller konstant bei einer Temperatur von ca. 5 Grad zu halten, so dass die untergärigen Hefen (und zwar nur die!) ungestört in den Fässern walten konnten. Von Linde war Münchner und fand in Gabriel Sedlmayer, dem damaligen Chef der Spaten Brauerei, einen glühenden Unterstützer, mit dessen Hilfe er 1876 ein Patent für seine „Ammoniak-verdichtende-Kompressionskältemaschine“ anmelden konnte, während der Sedlmayer einen Triumphzug des Münchner Hellen startete. Innerhalb weniger Jahre verdrängten die nun im großen Stil machbar gewordenen untergärigen Biere die obergärigen in Deutschland. (Einzig das Weißbier ist stets geblieben.)

Freunde beim Biertrinken

In anderen Ländern wie etwa England und den USA blieben obergärige Ales hingegen weiterhin präsent, auch nachdem sich dort Lager wie Export und Pilsener rasch verbreiteten. Damit ist es zu begründen, warum sich die Pioniere der Craft Beer Bewegung zunächst vor allem den Ales widmeten. Dazu kommt, dass Ales schlichtweg leichter zu machen sind. Im Heimbrauerbereich etwa, wo die meisten ohne „Kältemaschine“ auskommen müssen. Obergärige Hefen sind auch etwas freundlicher, verzeihen Fehler eher.

So kam es, dass sich über viele Jahre fast alles in der Craft Beer Welt um Pale Ales, IPAs, NEIPAs und andere Ales bzw. obergärige Biere drehte.

Doch in den letzten Jahren änderte sich das. Lagerbiere, allen voran das Helle, wurden plötzlich zum Hingucker der Szene. Für viele Brauer eine echte Herausforderung, für viele Bierfans – wenn gut gemacht! - aber auch ein echter Genuss und eine willkommene Abwechslung zu immer massiger werdenden Hopfenbomben à la Double oder gar Trippel-IPA und Co.

„Drinkability“ steht bei dem meisten Lagerbieren im Fokus, deutsch: die Süffigkeit. Und da liegt das Helle ganz weit vorn mit seiner schönen Ausgewogenheit zwischen honig-getreidigem Malzkörper und leichter, frischer Hopfenblume obendrauf.

Ein Bier, bei dem man „Eins, zwoa, gsuffa!“ singen will. Und ein herrlicher, guter Bierstil. Zum Wohle!