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DR. BENEDIKT BRIXIUS

Niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Homburg und Pressesprecher des Berufsverbandes der saarländisches Kinder- und Jugendärzte.

Antibiotic Stewardship

Der clevere Umgang mit Antibiotika

Wie können Antibiotika bei der Behandlung sinnvoll eingesetzt werden? Saarländische Kinder- und Jugendärzte machen sich für ein effektives und einheitliches Vorgehen stark. Dr. Benedikt Brixius erläutert, worauf es ankommt.

Im Februar 2020 trafen sich fast alle saarländischen niedergelassenen und in Kliniken tätigen Kinder- und Jugendärzte in Saarbrücken unter der Leitung von Prof. Simon (2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie DGPI), um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, damit in den Praxen und Kinderkliniken verantwortungsvoll und zielgerecht Antibiotika bei Infektionserkrankungen eingesetzt werden. Hierbei ging es darum, die Qualität der Antibiotikabehandlung bezüglich Auswahl, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer festzulegen, um das beste klinische Behandlungsergebnis unter Beachtung einer minimalen Toxizität für den Patienten zu erreichen. Dieses Vorgehen wird auch Antibiotic Stewardship genannt. Weltweit könnte ein solches Vorgehen die Wirksamkeit der Antibiotika verbessern und die Bakterien für die Therapie empfindlicher machen.

Ein kranker Junge mit Fieber

Was heißt das konkret für Kinder, Jugendliche und Eltern?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es bedeutet nicht, dass die Verschreibung eines Antibiotikums verteufelt wird. Ganz grundsätzlich kann ein Antibiotikum im Körper die ungeregelte Ausbreitung eines krankmachenden Bakteriums verhindern, bis das anspringende Immunsystem in der Lage ist, die Infektion selbst abzuwenden. Wenige töten sogar ein Bakterium ab. Dagegen sind Antibiotika bei Viren gänzlich unwirksam.

Was passiert, wenn ich ein Antibiotikum einnehme, obwohl ich keine bakterielle Infektion habe?

In der Vergangenheit wurden leider vor allem bei viralen Mittelohr-, Bindehaut- und Halsentzündungen oder Bronchitis unnötig Antibiotika verordnet. Das Virus bleibt aber unbeeinflusst. Dagegen können gesunde Bakterien, z. B. in Mund- und Darmschleimhaut (Mikrobiom), die uns als Platzhalter sogar vor Viruserkrankungen schützen, durch die Therapie geschädigt werden. Nebenwirkungen des Antibiotikums sind zusätzlich möglich, wie z. B. Durchfall oder eine allergische Reaktion. Und das Virus hat mehr freie Bahn. Fazit: Bei Virusinfektionen kein Antibiotikum!

Kann ich bei der Einnahme eines Antibiotikums etwas falsch machen?

Tatsächlich kann bei der Einnahme einiges falsch gemacht werden. Folgen davon können z. B. Resistenzen sein: Das Antibiotikum kann gegen das Bakterium nichts mehr ausrichten, weil es Mechanismen erlernt hat, die das Antibiotikum unwirksam machen.

Zu beachten ist die richtige Dosierung: Diese wird den Eltern von Arzt und/ oder Apotheker benannt. Überdosierungen können Nebenwirkungen auslösen, Unterdosierungen können keine Heilung erreichen und Resistenzen verursachen. Weiterhin soll die Dauer der Einnahme genau eingehalten werden, damit die richtige Wirkung erzielt wird. Häufig wird bei dreimal täglicher Anwendung 8 Uhr, 16 Uhr und Mitternacht angegeben. Dies ist insbesondere bei kleinen Kindern nicht praktikabel. Hier ist ein Verabreichen morgens, mittags und abends in der Regel ausreichend wirkungsvoll. Und natürlich muss der Saft nicht komplett eingenommen werden, sondern nur so viele Tage, wie angeordnet. Reicht er allerdings nicht, bitte Rücksprache mit Ihrem Arzt halten.

Hat der Patient Erkrankungen der Leber oder Nieren, kann die eigentliche Dosierung zu hoch oder niedrig sein. Auch hier unbedingt Rücksprache halten! Häufig sollte das Antibiotikum eine Stunde vor den Mahlzeiten zur besseren Aufnahme über den Darm eingenommen werden. Aus Praktikabilitätsgründen ist die Verabreichung bei Kindern zu den Mahlzeiten möglich. Achtung bei der Saftzubereitung: Das Pulver wird mit einer definierten Wassermenge (man beachte die Fülllinie der Flasche) zum Saft gelöst. Zu wenig oder zu viel Wasser verändert die Konzentration und damit wird die angeordnete Dosierung falsch.

Ein baby beim Arzt

Auf was achtet mein/e Kinder- und Jugendarzt/ärztin, wenn sie/er ein Antbiotikum verordnet?

Zunächst überlegt sich der Arzt genau, ob eine Antibiotikum-Verordnung überhaupt notwendig ist, denn die meisten Infekte im Kindesalter sind durch Viren bedingt. Manchmal wird zunächst eine kurzfristige Kontrolluntersuchung durchgeführt und dann erst entschieden, ob eine Therapie begonnen wird. Oder eine Blutentnahme bzw. Urinuntersuchung klärt, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Ist die Entscheidung gefallen, wird nur so kurz wie notwendig behandelt. Es wird kein unnötiges Breitspektrumantibiotikum verordnet, wenn ein schmaler wirksames genauso gut hilft, denn die Wahl des Antibiotikums erfolgt entsprechenden Leitlinien bei definierten Infektionen. Ist die angewandte Therapie unwirksam, so wird sie schnell abgesetzt. Entgegen der landläufigen Meinung erhöht dieses Vorgehen nicht das Resistenzrisiko, reduziert aber mögliche Nebenwirkungen.

In bestimmten Situationen ist durch die körperliche Untersuchung klar, dass eine bakterielle Erkrankung vorliegt, der eigentliche Keim ist aber oft unbekannt. Vor Einsatz des Antibiotikums kann dann eine Kultur entnommen werden, z. B. Sekret aus dem Rachen, Urin, Blut oder Hirnwasser aus dem Rückenmarkskanal, und dann mit der Therapie gestartet werden. Im günstigen Fall ist nach ein paar Tagen der Erreger bekannt. Nun zeigt sich, auf welches Antibiotikum das Bakterium sensibel oder resistent ist. Jetzt kann zielgerechter behandelt oder auf ein passenderes Antibiotikum umgesetzt werden.

Zusammengefasst:

Es gibt viele Tücken bei der Einnahme eines Antibiotikums. Es kann Fluch und Segen sein. Halten Sie sich an die Empfehlungen Ihrer Ärztin/Ihres Arztes! Im Zweifelsfall hilft hier der Spruch tatsächlich: Bei Unklarheiten fragen Sie Ihren Kinder- und Jugendarzt/Hausarzt oder Apotheker.

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. BENEDIKT BRIXIUS

Dr. Brixius ist niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Homburg. Seine Ausbildung zum Facharzt absolvierte er in der Kinderklinik Rüsselsheim und Universitätskinderklinik Homburg. Seit 2001 ist er in eigener Praxis niedergelassen. 2003 erfolgte eine Weiterbildung zum Arzt für Homöopathie. Dr. Brixius ist Pressesprecher des Berufsverbandes der saarländisches Kinder- und Jugendärzte.

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie als Weltentdecker unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

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