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DR. CARMEN WAHLEN

Kinder- und Jugendärztin mit Spezialisierung Kinder-Pneumologie und Allergologie in einer Gemeinschaftspraxis in Homburg/Saar.

Pseudokrupp

Nächtlicher Husten bei Kleinkindern

Für Kleinkinder und Eltern kann Pseudokrupp erschreckend sein: Der anfallsartige, bellende Husten tritt typischerweise plötzlich in der Nacht auf, begleitet von Heiserkeit und erschwerter, ziehender und pfeifender Einatmung. Dr. Carmen Wahlen klärt, wie Sie sich im Ernstfall richtig verhalten.

Junge mit Husten

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp ist eine Erkrankung der oberen Atemwege. Betroffen sind meistens Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren. Etwa 10–15 % aller Kinder in Deutschland erkranken mindestens einmal in ihrem Leben daran. Manchmal wird Pseudokrupp auch Infektkrupp oder Krupphusten genannt. Im Gegensatz zum „echten Krupp“, der durch Diphtherie ausgelöst wird, sind die Verursacher des Pseudokrupps in der Regel Erkältungsviren. Die Erkrankung betrifft v. a. Kleinkinder bis hin zum Schulalter und tritt meist in der nasskalten Jahreszeit bei feuchtnebligem Wetter auf.

Was passiert beim Pseudokrupp?

Erkältungsviren (wie z. B. Influenza- oder Parainfluenzaviren) können eine Entzündung mit Schwellung der Schleimhaut im Bereich der oberen Atemwege, einschließlich des Kehlkopfes, auslösen. Die bei Kleinkindern altersbedingt noch sehr engen und empfindlichen Atemwege verengen sich weiter und lösen dadurch einen sogenannten Pseudokruppanfall aus. Durch die Verengung, vor allem im Bereich des Kehlkopfes, kommt es zu einer deutlich erschwerten Ein- und Ausatmung mit dem typischen trocken-bellenden Husten sowie starker Heiserkeit. Diese Situation wird von den Kindern als sehr beängstigend empfunden, so dass häufig Weinen und damit verbunden eine vermehrte Atemarbeit mit typisch ziehendem Atemgeräusch, besonders während der Einatmung, die Folge sind. In ausgeprägten Fällen kann es auch zu Atemnot kommen.

Krupphusten tritt vermehrt im Herbst und Winter auf, da die Kinder hier empfänglicher für die auslösenden Erkältungsviren sind. Die Symptome entstehen in der Mehrzahl der Fälle plötzlich nachts im Schlaf, bei vermeintlich zuvor gesundem Kind. Die Körpertemperatur kann erhöht sein, zumeist jedoch nicht über 38,5 °C.

Mutter mit Baby auf dem Arm

Was kann ich tun?

Das Wichtigste: Bleiben Sie ruhig und gehen Sie mit Ihrem Kind an die frische Luft!

Ein Pseudokruppanfall – vor allem wenn man ihn zum ersten Mal erlebt – ist für die gesamte Familie eine beängstigende Situation. Jedoch ist die Erkrankung nur in den seltensten Fällen so stark ausgeprägt, dass eine lebensbedrohende Lage auftritt. Es ist wichtig, dass Sie als Eltern – auch wenn Sie gerade selbst aus dem Schlaf aufgeschreckt sind – ruhig bleiben und diese Ruhe Ihrem Kind vermitteln.

Auch bei einem leichten (ersten) Pseudokruppanfall sollten Sie im Nachgang Ihren Kinder- und Jugendarzt aufsuchen. Dieser wird Sie über Verhaltens- und Vorbeugemaßnahmen und die eventuelle Gabe von Medikamenten informieren.

Folgende Maßnahmen wirken sich lindernd auf die Beschwerden Ihres Kindes aus:

Bitte nehmen Sie Ihr Kind auf den Arm und reden Sie ruhig mit ihm. Die aufrechte Haltung und die Nähe zu Ihnen werden das Kind beruhigen und ihm die Atmung erleichtern. Nach Möglichkeit sollte Schreien oder Weinen des Kindes vermieden werden, da dies die Schleimhaut des Kehlkopfes zusätzlich reizt.

Lassen Sie Ihr Kind feucht-kalte Luft einatmen. Dazu wickeln Sie es in eine Decke ein und öffnen das Fenster, gehen auf Terrasse oder Balkon und lassen das Kind kalte Luft einatmen. Dies führt zu einer Beruhigung der Schleimhaut des Kehlkopfes und zu einer verbesserten Atmung. Auch kalte Luft aus einem geöffneten Kühlschrank kann die Schleimhaut des Kehlkopfes beruhigen.

Wenn sich das Kind beruhigt hat, geben Sie ihm in kleinen Schlucken etwas kühles Wasser oder Tee (keine Milch) zu trinken.

Eventuell hat Ihr Kinderarzt Ihnen bereits ein Cortisonpräparat als Zäpfchen oder Saft verordnet. In diesem Fall können Sie dieses Medikament in der vereinbarten Dosis verabreichen. Haben Sie keine Angst davor, im Notfall Cortison anzuwenden. Hier zeigt es keine Nebenwirkungen und erleichtert Ihrem Kind die Atmung – durch die rasche Abschwellung der Schleimhäute innerhalb von etwa 30 Minuten.

Bei starker Atemnot kann Ihr Kind auch von einer sogenannten Feuchtinhalation mit einer stark abschwellend wirkenden Substanz (Adrenalin) profitieren, wodurch die Atmung innerhalb kurzer Zeit erleichtert wird. Diese Therapie wird in aller Regel jedoch nur in Arztpraxen oder Krankenhäusern durchgeführt.

Wie erkenne ich einen ernsten Pseudokruppanfall?

Sollte sich der Zustand Ihres Kindes trotz der oben genannten Maßnahmen verschlechtern oder verfärben sich sogar die Lippen oder Fingernägel blau-violett, zögern Sie nicht, den Notarzt unter Tel. 112 zu verständigen! Bis zum Eintreffen des Notarztes versuchen Sie, Ruhe zu bewahren und die oben genannten Maßnahmen zu befolgen. Glücklicherweise tritt dieser Fall nur sehr selten auf!

Baby weint

Kann sich ein Pseudokrupp-Anfall wiederholen?

Bei Kindern mit besonders empfindlichen oder kleinen Atemwegen kann sich ein Kruppanfall tatsächlich wiederholen. Dieser kann im Rahmen desselben Infektes (mehrere Tage hintereinander) oder im Rahmen neuer Infekte über die Jahre auftreten. Welche Kinder davon betroffen sind, kann man leider nicht voraussagen. Beim Heranwachsen der Kinder werden jedoch auch ihre Atemwege größer, so dass der Krupphusten immer seltener auftritt und letztendlich ganz verschwindet.

Mit welchen Maßnahmen kann ich einem erneuten Anfall vorbeugen?

Leider kann man einen erneuten Pseudokrupp-Anfall nicht in jedem Fall verhindern. Es gibt jedoch unterstützende Maßnahmen, die hilfreich sein können:

  • Auf das Rauchen in Gegenwart des Kindes sollte verzichtet werden. Die Schleimhäute der Atemwege werden hierdurch gereizt und deutlich empfindlicher, auch während eines Infektes.
  • Der Schlafraum Ihres Kindes sollte im Winter regelmäßig, insbesondere vor dem Schlafengehen, gelüftet werden. Eine kurze Stoßlüftung von ca. 5 Minuten ist ausreichend. Kühle Luft beruhigt die Atemwege.
  • Achten Sie auf eine normal feuchte Luft im Schlafzimmer. Zu feuchte Luft sollte wegen der Gefahr der Schimmelbildung vermieden werden. Sowohl die trockene Luft als auch Schimmelpilzsporen reizen die Atemwege.

Da neben dem in der Regel eher harmlosen Pseudokrupp auch andere gefährliche Erkrankungen auftreten können, sollte Ihr Kind beim Auftreten von Krankheitszeichen einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden. Solche Erkrankungen können zum Beispiel der „echte Krupp“ sein, der durch Diphtherie ausgelöst wird, oder die bakterielle Kehlkopfentzündung durch das Bakterium Haemophilus influenzae (Hib). Diese Erkrankungen sind heute glücklicherweise sehr selten geworden, da gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) alle Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensmonat dagegen geimpft werden.

Unsere Gesundheitskooperation

Autor
DR. CARMEN WAHLEN

Dr. Carmen Wahlen ist Kinder- und Jugendärztin mit Spezialisierung Kinder-Pneumologie und Allergologie in einer Gemeinschaftspraxis in Homburg/Saar. Zudem ist sie Asthma- und Neurodermitistrainerin sowie stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Saarland im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, Regionalgruppensprecherin der BAPP (Bundesarbeitsgemeinschaft pädiatrische Pneumologie) und Dozentin für Pädiatrie an der Universitätsklinik Homburg/Saar.

KVS und Globus Gesundheitskooperation

Kassenärztliche Vereinigung Saarland

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Jeden Monat finden Sie auf den Seiten des Weltentdecker Clubs, des Kinderclubs von Globus, unter der Rubrik "Gesundheit & Ernährung" einen aktuellen Beitrag von Fachärzten zu relevanten Themen rund um die Gesundheit Ihres Kindes.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung.

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