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Erste Hilfe am Tier

Schnell handeln kann Leben retten

Ein unachtsamer Moment, ein kleiner Unfall beim Spaziergang oder plötzliches Unwohlsein: Auch unsere Haustiere können in Not geraten. In solchen Situationen zählt jede Minute. Wer weiß, wie Erste Hilfe am Tier funktioniert, kann entscheidend dazu beitragen, Schmerzen zu lindern oder sogar Leben zu retten – bis professionelle Hilfe beim Tierarzt eintrifft.

Ruhe bewahren und Situation einschätzen

Das Wichtigste zuerst: Ruhe bewahren. Tiere spüren Stress und reagieren in Ausnahmesituationen oft anders als gewohnt. Sichern Sie die Umgebung, schützen Sie sich selbst vor Bissen oder Kratzern und verschaffen Sie sich einen Überblick. Atmet das Tier normal? Gibt es sichtbare Verletzungen? Ist es ansprechbar?

Weißer Hund liegt auf blauem Teppich, daneben Medikamente und eine rote Tasche, Person berührt den Hund am Rücken.

Gut vorbereitet für den Ernstfall

Eine tierische Erste-Hilfe-Ausrüstung sollte in keinem Haushalt fehlen. Dazu gehören unter anderem Verbandsmaterial, sterile Kompressen, Einmalhandschuhe, eine Zeckenzange sowie die Telefonnummer des Tierarztes oder der nächstgelegenen Tierklinik. Ebenso sinnvoll: ein Erste-Hilfe-Kurs speziell für Haustiere. Dort lernen Tierhalter, Notfälle richtig zu erkennen und sicher zu handeln.

Weiße Schrift mit dem Wort Info auf rechteckigem, grünlichem Hintergrund.

Wichtig: Erste Hilfe ersetzt keinen Tierarzt

So wichtig Erste-Hilfe-Maßnahmen sind – sie ersetzen niemals den Besuch beim Tierarzt. Sie dienen dazu, die Zeit bis zur professionellen Behandlung zu überbrücken und Folgeschäden zu minimieren.

Vitalparameter: normale Werte bei Hunden und Katzen

Wenn Ihr Tier erkrankt ist oder einen Unfall hatte, sollten Sie auch immer die Vitalzeichen im Blick behalten. Wenn Sie bei einem oder mehreren Parametern eine Abweichung vom Normalzustand feststellen, sollten Sie in jedem Fall beim Tierarzt vorstellig werden.

Eine Hand hält ein digitales Thermometer neben die Pfote eines weißen Hundes auf einem gestreiften Untergrund.

Vitalparameter bei Hunden und Katzen im Überblick
Zahnfleischfarbe: Wo: Maul Wie: Heben Sie die Wangen Ihres Tieres an und sehen Sie sich das Zahnfleisch an. Die Überprüfung von Schleimhäuten und Kapillarfüllungszeit (KFZ) bei Hunden und Katzen dient der schnellen Einschätzung von Kreislauf und Durchblutung. Gesundes Zahnfleisch ist rosa, feucht und füllt sich nach Druck (Weißfärbung) innerhalb von maximal 2 Sekunden wieder farbig auf. Verzögerungen weisen auf Schock oder Dehydrierung hin. Normal / Referenz: rosa, feucht
Atemfrequenz: Wo: Brustkorb / Flanke Wie: Beobachten Sie oder legen Sie Ihre Hand und zählen Sie, wie viele Atemzüge pro Minute. Normal / Referenz: Hunde: 10 bis 30 / Min – Katzen: 20 bis 40 / Min
Herzfrequenz:Wo: Brustkorb links Wie: Legen Sie Ihre Hand auf den Bereich und fühlen Sie 15 Sekunden lang die Herzschläge, dann multiplizieren Sie mit 4, um die Herzschläge pro Minute zu erhalten. Normal / Referenz: Kleine Hunde: 80 bis 120 / Min – Große Hunde: 60 bis 100 / Min –Katzen: 140 bis 220 / Min
Puls:Wo: Oberschenkelarterie, innerer OberschenkelWie: Drücken Sie mit Zeige- und Mittelfinger sanft auf die Oberschenkelarterie, um den Puls zu fühlen, und ihn mit den Herzschlägen zu vergleichen. Normal / Referenz: regelmäßig, begleitet den Herzschlag, leicht zu finden
Temperatur:Wo: Rektum, unterhalb des Schwanzes Wie: Führen Sie die Spitze eines geölten Digitalthermometers vorsichtig in den Enddarm ein und warten Sie, bis es piept. Normal / Referenz: 38,3 bis 39,2 °C

Häufige Notfälle und was zu tun ist:

Zwei Hände mit blauen Handschuhen wickeln eine weiße Bandage um die dunkle Pfote eines Tieres auf einer weißen Unterlage.

Wunden und Blutungen

Kleine Wunden können vorsichtig gereinigt und abgedeckt werden. Starke Blutungen sollten durch einen leichten Druckverband gestillt werden: Zunächst muss das Tier ruhig gesichert werden, da verletzte Tiere aus Schmerz beißen oder kratzen können. Auf die Wunde wird eine sterile Kompresse oder ein sauberes Tuch gelegt und durch mehrere Lagen ein Druckpolster aufgebaut, das anschließend mit einer Binde fest, aber nicht einschnürend fixiert wird, idealerweise von unten nach oben. Fremdkörper dürfen nicht entfernt, sondern müssen mit eingepolstert werden. Bei Pfotenverbänden, insbesondere beim Hund, ist eine sorgfältige Wattierung wichtig: Jede Zehe muss einzeln gepolstert werden, einschließlich der seitlich liegenden Kralle, um Feuchtigkeit und Druckstellen zu vermeiden. Da Hunde über die Pfoten schwitzen kann es sonst leicht zu Entzündungen kommen. Den Verband bis über das Gelenk wickeln, damit dieser nicht verrutscht. Bei stark blutenden Ohrverletzungen wird ein Kopfverband angelegt, wobei das verletzte Ohr nach oben an den Kopf geklappt wird, damit gezielter Druck auf die Wunde ausgeübt werden kann. Nach dem Anlegen des Verbandes ist die Durchblutung zu kontrollieren.

Insektenstiche

Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze gestochen wird, beruhigen Sie das Tier zuerst und kontrollieren Sie die Stichstelle auf Schwellung, Rötung oder einen Stachel. Entfernen Sie den Stachel vorsichtig, falls vorhanden, und kühlen Sie die Stelle mit einem feuchten Tuch oder Eis, um Schwellung und Juckreiz zu lindern. Beobachten Sie das Tier genau: Atemnot, starkes Anschwellen, Erbrechen oder Lethargie sind Notfälle – in diesem Fall sofort zum Tierarzt. Meistens heilen Insektenstiche innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst.

Hitzschlag

esonders im Sommer sind Tiere gefährdet. Hecheln, Taumeln oder Apathie sind Warnzeichen. Bringen Sie das Tier sofort in den Schatten, kühlen Sie es langsam (nicht eiskalt!) und suchen Sie schnellstmöglich tierärztliche Hilfe auf.

Vergiftungen

Fressen Tiere unbekannte Substanzen oder Pflanzen, sollte umgehend ein Tierarzt kontaktiert werden. Anzeichen für eine mögliche Vergiftung bei Hund oder Katze sind plötzliches Erbrechen oder Durchfall, starkes Speicheln, Apathie, Zittern, Krämpfe, Unruhe, auffällige Atmung, veränderte Pupillen oder sogar Bewusstlosigkeit. Hunde fressen oft gierig, zeigen Aufgeblähtheit, starkes Hecheln oder plötzliche Aggressivität, während Katzen sich häufig zurückziehen, exzessiv putzen, zittern oder einen steifen Gang haben. Häufige Giftquellen sind Medikamente, Schokolade, Trauben, Frostschutzmittel, Reinigungsmittel, giftige Pflanzen oder auch Rattengift und andere Köder. Gefundene Giftködern sollte man vorsichtig einpacken und zum Tierarzt mitnehmen, damit das Gift bestimmt werden kann.

Bewusstlosigkeit

Prüfen Sie Atmung und Puls. Ist keine Atmung feststellbar, kann eine Herz-Lungen-Wiederbelebung lebensrettend sein, wobei Herzdruckmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung im Wechsel erfolgen. Der Brustkorb sollte dabei etwa ein Drittel bis die Hälfte eingedrückt werden, bei einer Frequenz von 100–120-mal pro Minute. Optimal ist ein Verhältnis von 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen. Zur Vorbereitung legt man das Tier auf die rechte Seite, verschließt das Maul und zieht die Zunge nach vorne, während die Atemwege kontrolliert werden. Für die Herzdruckmassage werden die Hände auf der unteren Hälfte des Brustkorbs platziert; kleine Hunde und Katzen lassen sich mit einer Hand oder den Fingern behandeln, größere Hunde mit beiden Händen übereinander.

Bei der Mund-zu-Nase-Beatmung wird die Schnauze mit den Lippen umschlossen und Luft so lange eingeblasen, bis sich der Brustkorb leicht hebt (ca. 2–3 Sekunden).

Hellbraun-weiß gemusterte Katze mit dunklen Ohren schläft entspannt auf einem hellen Tisch in einem schlichten Raum.

Magendrehung

Die Magendrehung ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der vor allem bei großen Hunden mit tiefem Brustkorb auftritt. Der Magen füllt sich mit Gas und dreht sich, was den Blutfluss stark einschränkt und die Atmung behindert. Typische Anzeichen sind ein aufgeblähter Bauch, unruhiges Umherlaufen, Würgen ohne Erbrechen, schnelle Atmung und blasse Schleimhäute. Bei Verdacht auf eine Magendrehung muss sofort der Tierarzt kontaktiert werden – schon aus dem Auto anrufen, damit die Klinik die Operation vorbereiten kann, denn jede Minute zählt.

Darmverschluss durch Fremdkörper

Ein Darmverschluss entsteht, wenn verschluckte Gegenstände wie Knochen, Spielzeug oder Stoffreste den Darm nicht passieren können. Betroffene Tiere zeigen häufig Erbrechen, starke Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, einen aufgeblähten Bauch oder Verstopfung. Dies ist ein ernstzunehmender Notfall, der sofort tierärztliche Versorgung erfordert. Versuchen Sie nicht, das Erbrechen selbst auszulösen, und transportieren Sie das Tier vorsichtig zur Klinik.

Grauweißes Fell einer Katze, ruhend auf einer hellen Fläche, wird von Händen in blauen Handschuhen sanft berührt.

Harnröhrenverstopfung (insbesondere bei Katern)

Bei einer Harnröhrenverstopfung kann der Urin nicht mehr abfließen, meist durch Kristalle oder Steine in der Harnröhre. Betroffene Katzen zeigen häufig schmerzhafte Harnabsatzversuche, blutigen Urin, Unruhe oder sogar Erbrechen. Dies ist ein akuter Notfall: Wird die Blockade nicht sofort behandelt, droht lebensgefährliches Nierenversagen. Das Tier muss umgehend zum Tierarzt gebracht werden.

Akutes Nierenversagen

Ein akutes Nierenversagen kann plötzlich auftreten, verursacht durch Gifte, Infektionen oder starke Dehydration. Typische Symptome sind Appetitlosigkeit, Erbrechen, Lethargie, verminderte oder fehlende Urinproduktion und Mundgeruch. Ein akutes Nierenversagen ist ein medizinischer Notfall, der sofort tierärztliche Behandlung erfordert, da nur schnelle Flüssigkeits- und Blutwertkontrollen sowie unterstützende Maßnahmen die Lebensgefahr abwenden können.